#6: Das harte Leben der Fischer, der Traum von der Wohnung am Meer
Shownotes
Eines der meistgewünschten Themen: Ihr erfahrt alles über die Fischer in Grado. Immerhin liegt hier eine der größten Flotten der oberen Adria mit etwa 40 Booten. Es geht um ihr hartes Leben, ihre Tricks und Kniffe, ob draußen auf dem Meer oder in der Lagune, und obendrauf gibt es das berühmte Inselrezept Boreto. Und: Warum fahren die Fischer eigentlich immer in der Nacht raus und nicht am Tag?
Ein schöner Kontrast: Wer träumt nicht von einer Wohnung in Italien? Sofia Melik Aslanian (Instagram: @studiolegale_aslanian) ist eine deutsche Rechtsanwältin, spezialisiert auf italienisches Recht. Sie berät seit Jahren Haus- und Wohnungskäufer. Im Podcast gibt sie viele wertvolle Tipps und erzählt auch von Beinahe-Katastrophen.
Bücher unterm Sonnenschirm Elena Ferrante, »Meine geniale Freundin«, Suhrkamp Verlag, 22 Euro.
Fragen, Wünsche, Anregungen? Wen wollt ihr mal als Gast hören, welche Themen soll ich mir vornehmen, was würdet ihr wirklich gern wissen? Schreibt mir: radioadria@gmx.de
Mehr vom Autor: Facebook: Stefan Maiwald Instagram: @buchundwein Blog: www.postausitalien.com
Die Partner der sechsten Folge:
Ca‘ Savorgnan Mehr Informationen: info@gradese.it
Penguin Bücher Link zur Verlosung: https://postausitalien.com/2025/04/02/extrapost-aus-italien-das-neue-buch-ist-da-alle-ans-meer-auserdem-gibt-es-viele-bucher-und-prosecco-zu-gewinnen/
Der Podcast ist eine Produktion von http://www.studiovenezia.de
Transkript anzeigen
00:00:00: Buongiorno und herzlich willkommen bei Radio Adria, dem Podcast aus Italien.
00:00:10: Hier dreht sich alles um la Deutsche Vita, um das Lebensgefühl zwischen Espresso und
00:00:16: Apparativo, um die kleinen Geheimnisse und großen Geschichten dieses wunderbaren Landes.
00:00:21: Ich bin Stefan Maywald, Autor und Wahlitaliener aus Grado und ich nehme euch mit auf eine
00:00:27: Reise voller Sonne, Genuss und Italianita. Also zurücklehnen, entspannen und ein bisschen Italien ins
00:00:35: Leben lassen. Andiamo! Folge Nummer 6. Wir nehmen Fahrrad auf ganz stark. Und ich habe von euch so
00:00:50: viel Input bekommen, dass wir sehr, sehr gut durchs Jahr schweben werden, auch wenn wir jetzt schön
00:00:57: am Strand schwitzen. Hier werdet ihr viel Italien auch im Winter bekommen. Das kann ich jetzt schon
00:01:02: versprechen. Worum geht es in diesem Podcast? Ich finde, es ist eine gute Mischung. Es geht um die
00:01:09: Fischer und es geht um den Traum von der eigenen Wohnung in Italien und es geht um Katzen. Das ist
00:01:19: nur gerecht. In der letzten Folge hatten wir die Hunde. Erzähl doch mal von den Fischern,
00:01:24: das höre ich seit Jahren. Also fangen wir einfach mal an. Das für mich erstaunlichste. Keiner der
00:01:33: Gradesa Fischer konnte bis noch vor einer Generation schwimmen. Denn das Schwimmen zu lernen, das
00:01:40: war eine Sache für die reichen Urlauber Kinder. Und vielleicht galt es ja auch als Gotteslästerlich,
00:01:46: der Madonina del Mare nicht zu vertrauen, jener Madonnenstatue, die an der Hafen einfahrt steht
00:01:52: und die jeder Fischer bei der Ausfahrt mit einem kurzen Gebet anruft. Aber das Schwimmen nützt
00:02:01: einem ja auch nichts, wenn man im November sechs Kilometer vor der Küste über Bord geht. Ob man
00:02:08: nun schwimmen kann oder nicht, die Sache ist nach ein paar Minuten im sieben Grad kalten Wasser
00:02:13: schnell vorbei. Ein Ausflug in die Physik. Unser Körper kühlt bei gleicher Umgebungstemperatur
00:02:20: im Wasser dreimal schneller aus als an der Luft. Das habe ich lustigerweise vor zwei Wochen in der
00:02:26: Settimana Enigmistica gelesen, der Rätsel-Zeitschrift, die ganz Italien in Bann hält. Was gerade neben der
00:02:33: Insellage von den meisten übrigen Urlaubsorten an der Adria unterscheidet, ist die Fischereiflotte.
00:02:39: Knapp 40 Familien leben noch vom Fischfang und haben ihr eigenes Boot. Selbst in der Großen
00:02:47: Hafenstadt Trieste, wo ich gerade war, in den nächsten Folgen mehr dazu, gibt es nur noch fünf
00:02:54: oder sechs Fischerboote. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2023 gaben 110 Gradeser an vom Fischfang
00:03:03: zu leben, was ja gut hinkommt. Denn die Boote werden im Familienbetrieb genutzt, mit Vater und Sohn
00:03:10: oder Brüdern oder Cousins. Manchmal auch mit Schwestern und Cousinen. Selten, aber es kommt vor.
00:03:16: Gefischt wird sowohl in der Lagune wie auch auf dem offenen Meer. Urlauber gibt es zu, die im Sommer
00:03:25: am Hafen entlang spazieren, finden das Ganze oft romantisch. Aber fahrt mal im November bei drei
00:03:33: Grad in der Nacht raus. Jede Nacht. Ja, tatsächlich. Die Boote legen am späten Abend ab und kommen
00:03:41: gegen acht Uhr in der Früh zurück. Warum das so ist, erkläre ich gleich. Was holen die Fischer
00:03:47: hervor? Goldbrassen, Seebarsche, Meereschen, Seezungen und sonstige Plattfische. Aber auch
00:03:54: Venusmuscheln, Miesmuscheln, Jakobsmuscheln und Messermuscheln. Viele der gefischten Muscheln
00:04:00: werden direkt nach Spanien geschickt, wo sie in die Paella kommen, denn spanische Küsten sind
00:04:06: interessanterweise relativ Muschelarmen. Dafür kommen die Lieferwagen aus Spanien mit aller
00:04:12: Leihgarnelenarten zurück, die es wiederum an der Adria relativ selten gibt. Wochentags gibt es in
00:04:19: der Auktionshalle in der Riva Dandolo direkt am Hafen eine Versteigung des Fangs. Offiziell nicht
00:04:27: öffentlich, aber wenn man nicht fragt, wird man mal reingelassen. Und das Lohnzeichen ist eine
00:04:32: wirklich hochinteressante Versammlung, die allerdings ganz dezent und ohne Geschrei abläuft,
00:04:38: geradezu unitalienisch. Die Kisten mit dem Fang werden präsentiert, die Käufer tippen eine
00:04:45: Zahl auf ihr Handy und zeigen sie dem Auktionator. Und nur ihm, wer die höchste Zahl gezeigt hat,
00:04:52: bekommt den Zuschlag. Es ist ein Pokerspiel. Wer die besseren Nerven hat, gewinnt. Die allseits
00:04:59: präsente Fischerei, ihr wisst es, macht es schwierig auf der Insel wirklich schlecht zu essen. Wer seit
00:05:05: Jahrhunderten vom Meer geprägt ist, der weigert sich einfach, Fisch und Meeresfrüchte zu einer
00:05:10: minderwertigen Melange zusammenzuschmeißen. Dazu kommt, dass Grado nie im großen Ausmaß die
00:05:17: Mittel- und Nordeuropäischen Strand- und Pizzaturisten versorgen musste. Spannend, nur die Adligen aus
00:05:25: Wien sahen das mal anders, wie historische Speisekarten der Grand Hotels belegen. Die Feinen Herrin und
00:05:32: Damen wollten keinen Fisch essen, denn der galt damals dezidiert als arme Leute-Spezialität.
00:05:39: Sie verlangten stattdessen Wild, was ihnen auch gereicht wurde. Gut, dass die Lagune von Grado
00:05:47: nicht nur fischreich ist, sondern auch mit Gänsen, Enten und sogar Wildschweine und Rehen
00:05:53: besiedelt, die von Insel zu Insel schwimmen. Wildschweine sind ausgezeichnete Schwimmer. Ich kenne
00:06:00: einen Inselbesitzer, der in einer Saison 60 Wildschweine erlegt hat. Ganz Grado war im
00:06:07: vorletzten Winter bestens mit Wildschweinragur versorgt. Die Lagune von Grado erstreckt sich
00:06:14: über 160 Quadratkilometer und ist bei Ebbe etwa 40 Zentimetert tief, bei Flut etwa einen bis zwei
00:06:22: Meter. Darum gibt es in der Lagune auch keine Segelboote. Hier kannst du nur mit ganz flachen,
00:06:29: speziell konstruierten Motorbooten fahren oder eben rudern wie früher. Hunderte von Inseln und
00:06:36: Sandbänken sind über die Lagune verteilt und auf vielen der Inseln haben die Fischer ihre Hütten,
00:06:41: Casoni heißen sie, die sie hübsch herrichten wie Kleingärtner ihre Parzellen. Bis vor
00:06:48: wenigen Jahrzehnten haben hier noch Menschen gelebt. Es gab es über eine Grundschule mitten
00:06:52: in der Lagune, was im Sommer, da haben wir es wieder, eine recht romantische Vorstellung ist,
00:06:57: im Winter aber ohne Strom und fließend Wasser. Er nicht. Es gibt es über ein Kloster namens
00:07:04: Barbana mittendrin. Die 22 Mönche empfangen gern Besucher und im Refektorium wird Pasta
00:07:11: mit Miesmuscheln serviert. Mittlerweile werden die Casoni auch wirklich wie Schrebergärten
00:07:16: genutzt fürs gemeinsame Grillen am Wochenende mit Goldbrassen und Tintenfischen und Sardellen
00:07:21: und den unfassbar hässlichen, aber auch so köstlichen, beinah süßlich schmeckenden
00:07:27: Heuschreckenkrebsen, Kanotche auf dem Grill. Bloß, man muss sich richtig um sie kümmern,
00:07:34: also nicht um die Heuschreckenkrebsen, sondern um die Inselchen. Hier wächst und wuchert es,
00:07:40: dass es eine Wonne ist. Auf dem seilshaltigen Boden schießen robuste Pflanzen wie der Santonigo
00:07:46: Empor, aus dem die Insulaner einen köstlichen Grappa machen. Aber so eine Insel ist auch
00:07:52: Verpflichtung und wer seine Scholle ein paar Wochen lang nicht besucht, erlebt eine Überraschung.
00:07:58: Die Natur holt sich mit Macht alles zurück, was der Mensch mühsam, gemäht, gestutzt und angelegt
00:08:06: hat. Beinah täglich muss jemand zur Pflege vorbeischauen und nicht wenige Gradeser bieten
00:08:12: als rüstige Pensionäre ihre Arbeitskraft genau dafür an. Nicht zuletzt Bruno, den er ja aus
00:08:19: meine Bar in Italien kennt. Ich hatte dort geschrieben, was so ein Rentner alles können
00:08:24: und machen muss. Bruno ist verantwortlich für die Insel in der Lagune, die anderthalb Hektar groß ist.
00:08:30: Auf der Insel gibt es Hühner, Gänse und ein Zuchtbecken für Seebarsche und Goldbrassen.
00:08:36: Dazu zwei Wirtschaftsgebäude, viel Gestrüpp und große Rasenflächen. Aber auch Obstbäume,
00:08:42: Pinien, Gemüsebete. Je nach Jahreszeit muss Bruno, der um 7 Uhr morgens auf der Insel ist,
00:08:49: Gestrüpp mit der Machete zurückdrängen, vom Sturm angeknackste Äste absegen, den Rasenmähen,
00:08:56: die Hühner und Gänse füttern. Eier einsammeln, Frischwasser ins Zuchtbecken einleiten,
00:09:01: den Kräutergarten pflegen und stutzen, vielleicht ein Huhn oder eine ganz töten Tomatenpflücken,
00:09:07: Salatköpfe schneiden, Zucchini neu aussehen, die Wege vom Unkraut befreien, den Bootsanleger
00:09:13: in Schuss halten, gegebenenfalls neue Bretter vernageln und faserige Tauer austauschen.
00:09:18: Algen vom stehenden Wasser abschöpfen. Er muss den Generator, der die Insel mit Strom versorgt,
00:09:24: mit Diesel befüllen. Manchmal gibt es Probleme mit dem Generator oder mit den Leitungen. Auch
00:09:30: da muss Bruno ran, anderthalb vom Wind und Wetter ungeschützte Hektar. Und Bruno ist allein und
00:09:38: 75 Jahre alt. Ach ja, auch das eigene Boot und der Motor brauchen viel Pflege, von der Betankung
00:09:46: zur Wartung bis zum Anti-Fouling gegen Eigenbefall. Also ihr seht, keine Freizeitbeschäftigung,
00:09:53: sondern richtige, richtige Arbeit. Auch das Lagunenwasser selbst, mit einem geringeren Salzgehalt
00:09:59: als das Meer, ist voller Leben. Hier trifft sich allerlei Getier zum Fressen und Gefressen werden,
00:10:05: vorzugsweise zum Gezeitenwechsel, der für uns Menschen in der Lagune zumindest kaum sichtbar ist.
00:10:12: Die Insel- und Lagunenspezialität schlechthin ist das Borreto, weil es auf eine lange Tradition
00:10:20: zurückblicken kann. Und es hat seinen Ursprung auf den Fischerbooten. Denn die Fischer brachten und
00:10:26: bringen allerlei unverkäuflichen Beifang mit. Dazu vom Netz zerrissene Fische. Die Stücke wurden
00:10:33: oft noch auf dem Boot im eigenen Saft gekocht, mit Knoblauch, Öl und, ganz wichtig, Weinessig
00:10:40: verfeinert und mit Polenta serviert. Und richtig viel Pfeffer musste dran. Wichtig, die Polenta darf
00:10:48: nicht mit dem Messer geschnitten, sondern muss mit einem Faden portioniert werden, um den Fischern
00:10:54: und ihren Gerätschaften an Bord zu huldigen. Wobei, unter uns, ich mir ziemlich sicher bin, dass auch
00:11:00: auf früheren Fischerbooten immer irgendwo ein Messer aufzutreiben gewesen wäre. Aber mit Italienern
00:11:07: soll man tunlichst nicht über kulinarische Traditionen streiten. Da sind sie wirklich sehr
00:11:13: empfindlich. Apropos noch eine Tradition. Zum kräftigen Borreto wird nicht Weißwein getrunken,
00:11:20: sondern Rotwein. Meistens der Autochtonerefosko oder ein Merlot. Und da muss ich über meine
00:11:27: Lieblingstheorie nachdenken, die ich schon immer mal irgendwo unterbringen wollte. Jetzt, also hier.
00:11:32: Diese Theorie wurde schon in den 1990er Jahren von UCLA-Professor Robert Dudley aufgestellt. Und
00:11:41: diese Theorie hat den tollen Namen "The Drunken Ape". Die Theorie des betrunkenen Affen.
00:11:48: Dudley vermutet, dass Alkohol in unserer Entwicklung eine extrem wichtige Rolle spielte. Unsere
00:11:54: primitiven Vorfahren entdeckten schon vor Millionen von Jahren überreife und gährende Früchte als
00:12:01: exzellente, kalorienreiche Nahrungsquelle. Und Kalorien war nicht nur nötig, um zu überleben,
00:12:08: sondern auch, um unser Hören wachsen zu lassen und uns täglich zu den Menschen von heute zu
00:12:13: entwickeln. Dudley vermutet, dass Alkoholmissbrauch deswegen so häufig vorkommt, weil wir gewissermaßen
00:12:21: in unserer Genetik das Verlangen nach Ethanol eingebrannt haben. Ethanol ist zudem ein
00:12:27: flüchtiges Molekül, das Primaten leicht erschnuppern konnten und das die Verlangensschalter umlegte.
00:12:33: So wie bei uns heute. Diese Anekdote musste ich einfach unbedingt mal unterbringen. Prost.
00:12:41: Nicht nur im Mehrvorgrad wird munter gefischt, sondern eben auch in der Lagune. Die Seefischer
00:12:48: oder Pescauri del Mare segelten einst weit hinaus bis in den Golf von Triest und nach Istrien oder an
00:12:56: die Mündung der Edge. Der Inselpoet Biaju Marin schrieb, "Ein gewisses Gemeinschaftsleben in
00:13:03: ihrem harten Beruf und die häufigeren Beziehungen zu Fremden gestarten und Menschen machten sie
00:13:09: aufgeschlossener als die Fischer der Lagune. Die Fischer der Lagune lebten dagegen in ihren
00:13:14: ärmlichen Strohhütten ohne fließend Wasser oder gar Elektrizität in der größtmöglichen
00:13:19: Einsamkeit, betrieben in eigenen Revieren die Fischzucht und allerlei Fischfang. Am Wochenende
00:13:26: ruderten sie nach Grado, um ihre Einkäufe zu besorgen und Trinkwasser für die Woche zu holen.
00:13:31: Dann ging es rudern zurück." Zitat Ende. Die Lagunenfischerei erfordert bis heute ein paar
00:13:38: ganz besondere Techniken. Es wird einerseits ganz simpel mit Haken gangelt, aber es haben sich über
00:13:44: die Jahrhunderte auch ein paar spezielle Netzformen entwickelt. Darunter das bekannte Cogolo oder Cogoy,
00:13:50: eine Art Trichter, der mehrere Meter lang ist, von Metallringen in Form gehalten wird und klar nur
00:13:57: eine Öffnung hat. Meist wird der morgens am Boden fixiert, abends wird dann geerntet. Es kommt
00:14:05: vor allem auf die Ausrichtung an, denn Fische und Tintenfische bewegen sich je nach Saison ganz
00:14:10: unterschiedlich. Früher praktizierten viele Fischer auch das Pesca del Ghor. Sie warteten barfuß durch
00:14:18: die Lagune und spürten mit ihren Sohlen die Vertiefungen und Höhlen auf, die manche Fische zur
00:14:23: Eierplage oder zum Verstecken graben. Darunter gründeln und Seezungen. Und dann griffen sie
00:14:29: einfach zu. Interessanter Fakt? Einige gründeln, es gibt mehr als 1100 Arten, sind Geschlechtswander.
00:14:38: Sie bilden Lebensgemeinschaften mit Korallen, Schwämmen und Riesenmuscheln und dort lebt ein
00:14:43: Männchen mit mindestens zwei Weibchen. Wird das Männchen gefressen, verwandelt sich ein
00:14:49: Weibchen in ein Männchen. Ich saß vor ein paar Tagen mit einem alten Gradeser Fischer namens
00:14:54: Francesco zusammen. Das passiert einem hier in gradologischer Weise häufiger, wie gesagt. Immerhin
00:15:00: rund 100 Menschen leben noch vom Fischwank. Noch vor einer Generation waren es 3 bis 400. Das
00:15:08: Meer ist gesund, aber es macht auch alt, grinst Francesco und zeigt auf seine feitige Haut.
00:15:13: Er ist 75 Jahre alt und seit seinem zwölften Lebensjahr rausgefahren. Er sagt, nach der
00:15:20: Grundschule war Schluss und du musstest dran. Sein Bruder, zwölf Jahre jünger als er,
00:15:26: fährt immer noch täglich raus. Schwimmen konnte auch er nicht. Ich konnte Francesco ein paar
00:15:32: Kinderfragen stellen, zum Beispiel. Warum fahren die Fischer eigentlich nachts aus und machen
00:15:38: sich das ohnehin schwere Leben noch viel schwerer? Tja, weil fast alle Fische nachtaktiv sind und
00:15:44: besser gefangen werden können. Und auch Angler wissen ja, ein Schatten an der Oberfläche bei
00:15:50: Tageslicht besonders leicht zu sehen, verscheucht alles. Das gilt allerdings nicht für alle Fische.
00:15:56: Tintenfische werden auch tagsüber gefischt. Und die Fischer fahren nicht immer genau zur
00:16:02: selben Zeit raus, denn sie achten, wie in der Lagune, auf den Gezeitenwechsel. Am besten
00:16:08: ist der Wechsel von Flut auf Ebbe, aber auch der Wechsel von Ebbe auf Flut kann sich lohnen.
00:16:13: Deswegen fahren sie manchmal um 20 oder 21 Uhr raus, manchmal erst nach Mitterdacht. Und noch was.
00:16:20: Gibt es weniger Fische in der Adria wegen Überfischung? Das hört man doch überall.
00:16:26: Nein, sagt Francesco. Es gibt so viele Fische wie auch schon vor 50 Jahren. Es sei genug für alle da.
00:16:33: Und wisst ihr was? Wenn mir das ein Fischer erzählt, der davon lebt, dann glaube ich ihm das.
00:16:39: Los Tunfische gibt es nur noch wenige, denn die gewaltigen Schwärme werden inzwischen weiter
00:16:46: unten an der Adria von riesigen Bootsflotten abgefischt. Bis in die 1960er Jahre gab es in
00:16:52: Grado sogar eine große Tunfischfabrik, damals der größte Arbeitgeber des Orts. Letzte Kinderfrage,
00:16:59: die ich Francesco stelle, müssten die Fischerboote eigentlich im Hafen von Grado Liegegebühren zahlen,
00:17:05: sowie die privaten Boote auch? Nein, müssen sie nicht. Wäre ja auch noch schöner. Das gäbe
00:17:12: einen Aufstand. Und jetzt kommen wir zu meinem aller aller aller ersten Interview-Gast. Ein schöner
00:17:20: Kontrast zum rauen Leben der Fischer. Viele von euch träumen ja von einer Ferienwohnung an der
00:17:26: Adria oder sonst wo in Italien. Ich werde jedenfalls immer nach Tipps gefragt. Und ich kann
00:17:32: ehrlicherweise ziemlich wenig dazu sagen. Einige von euch haben sich diesen Traum ja auch schon
00:17:37: erfüllt. Für alle, die noch nicht so weit sind, ich habe mir eine echte Expertin in den Podcast
00:17:43: geholt, die uns mal ein bisschen was verraten soll. Diese Frau erfüllt Träume oder zumindest hilft
00:17:50: sie dabei. Und deswegen ist sie eben auch mein erster Gast. Sie heißt Sophia Melik-Azlanián. Sie
00:17:57: ist Rechtsanwältin und sie unterstützt auch noch ehrenamtlich das italienische Honoraconsulat
00:18:02: in Hamburg. Und was sie so besonders macht. Sie ist auf Immobilienkäufe in Italien spezialisiert. Sie
00:18:09: berät uns also, wenn wir eine Wohnung oder ein Haus kaufen wollen. Denn da gibt es doch einiges zu
00:18:15: beachten. Ihr findet sie auf Instagram unter studio legale Azlanián. Willkommen liebe Sophia.
00:18:22: Grazie mille lieber Stefan, was für ein herzlicher Empfang. Ich freue mich riesig,
00:18:27: dein erster Gast zu sein. Es ist mir wirklich eine Ehre. Und ja mein Ziel ist es wirklich Menschen ein
00:18:33: Stück näher an ihren Traum vom Leben oder einen Rückzugsort in Italien zu bringen. Mit rechtlicher
00:18:40: Klarheit, aber auch mit ganz viel Herz. Denn beim Immobilienkauf in Bella Italia spielen Kopf und
00:18:47: Herz oft gleichermaßen mit. Und wenn ich helfen kann, dass beides in Einklang kommt, dann habe
00:18:52: ich meinen Job finde ich ganz gut gemacht. Ich freue mich auf unser Gespräch. Ich habe mir
00:18:57: für diesen Podcast einen Fragebogen überlegt. Es gibt zehn Standardfragen, die ich jedem Gast
00:19:02: stelle und es gibt anschließend Fragen zu dem Gast selbst. In diesem Fall natürlich rund um den
00:19:08: Kauf einer Immobilie in Italien. Bist du bereit für die Frage, liebe Sophia? Ja, ich bin bereit. Klar,
00:19:13: ich freue mich sehr darauf. Andiamo, ich bin neugierig, was du vorbereitet hast. Los geht's mit
00:19:19: den Standardfragen. Deine Lieblingspasta. Spaghetti Vongole, definitiv. Sie erinnern mich immer an
00:19:27: den Italienurlaub. Schon früher als Kind in Ligurien oder an der Artriaküste Jesolo. Dieses
00:19:33: einfache, ehrliche Gericht, das Meer auf dem Teller, ein Glas Weißwein daneben, die Sonne im
00:19:40: Gesicht. Das ist für mich der Inbegriff von Entschleunigung. Und in diesen Momenten denke ich
00:19:46: dann oft, so kann es bleiben. Mehr braucht es eigentlich nicht. Deine italienische Lieblingsstadt.
00:19:51: Venezia, La Serenissima. Allein der Klang des Namens lässt mich immer schon lächeln. Ich bin
00:19:59: Hype Armenierin und diese Stadt bedeutet für mich viel mehr als nur Kunst, Wasser und Geschichte.
00:20:05: Es gibt eine kleine Insel San Lazaro del Yermeni. Darauf liegt ein armenisches Kloster, was seit
00:20:12: Jahrhunderten ein Ort der Kultur und der Stille ist und für mich ein Ort tiefer familiärer
00:20:18: Verbindung. Seit meiner Kindheit fahre ich mindestens ein bis zweimal im Jahr nach Venedig. Und
00:20:24: obwohl die Stadt ja total chaotisch ist und alles andere als praktisch, ehrlich gesagt,
00:20:29: fühle ich mich dort jedes Mal irgendwie angekommen. Zwischen Nebel, Gondeln, Marmor und
00:20:35: Salzluft liegt für mich ein Stück zu Hause. Dein italienischer Lieblingsurlaubsort.
00:20:41: Das ändert sich bei mir je nach Lebensphase. Aktuell, schon seit fast über zehn Jahren,
00:20:47: ist es ganz klar Pesaro in den Marken. Dort verbringen mein italienischer Mann unsere
00:20:53: vier Kinder und die ganze große Familie jeden Sommer gemeinsam Zeit. Es ist zu einem festen
00:20:59: Ritual geworden. Jedes Jahr im Sommer ein Ort, an dem alle Generationen zusammenkommen, sich
00:21:04: erholen, lachen, gut essen und einfach das Leben genießen. Pesaro ist jetzt vielleicht nicht so
00:21:10: bekannt wie andere Orte, aber genau das macht den Charme für mich aus. Es ist authentisch,
00:21:15: familiär und bietet alles, was man für einen richtigen italienischen Sommer braucht. Es startet
00:21:21: Italiener. Gibt es ein italienisches Gericht, das du nicht so gern magst? Ja, tatsächlich. Auch
00:21:27: wenn das jetzt vielleicht etwas unpopulär ist, triebbar alla Romana. Kutteln sind nicht so mein
00:21:33: Fall. Ich bin eigentlich ein Allesesser, aber Innereien sind nicht so mein Ding. Deine erste
00:21:39: Erinnerung an Italien. Ich glaube, meine erste unbewusste Erinnerung an Italien ist eigentlich
00:21:45: ein Gefühl. Dieses ganz bestimmte Gefühl, wenn man mit der ganzen Familie im heißen Auto über den
00:21:52: Brenner fährt, die Fenster sind alle unten, Landschaft verändert sich, es riecht dann plötzlich anders,
00:21:58: nach Pinin, nach Wärmen, nach Militeran irgendwie. Und dann dieser singende Klang der italienischen
00:22:05: Sprache im Radio oder im Autogrill, genau der erste Autogrill, ein ganz kleines Abenteuer für
00:22:10: sich. Und dann plötzlich eben dieses große blaue Schild auf der Autostrada Italia. In dem Moment,
00:22:17: als ich Kind war, wusste ich zwar noch nicht so viel über das Land, aber ich wusste irgendwie,
00:22:22: dass es sich gut anfühlt. Es fühlte sich schon schon von Anfang an so nach Heimat an. Und meine
00:22:28: erste bewusste Erinnerung ist dann ganz klar, unser festes Ritual in Jesolo. Jahr für Jahr mit meinen
00:22:37: Großeltern, Eltern, Geschwistern, Cousins, Cousinen. Wir waren viele und wir waren glücklich. Und unser
00:22:44: banjo vor dem Hotel Astor, das war für mich einfach Italien. Einfaches gutes Essen, den ganzen
00:22:51: Tag am Strand, deutsche Farnyente, abends diese schöne italienische Passeggiata auf der von Pinin
00:22:58: gesäumten Einkaufsstraße. Von der Piazza Nember bis zur Piazza Mazzini, Shops, lautes Spielautomaten
00:23:06: in zahler Jockey, Gelatine, alles, alles, was das Herz begehrt. Und dann dieser ganz eigene Geruch
00:23:11: im Plastikladen, wo man die Gazette kauft in der Edicola an der Ecke. Du, Stefan, als Adria-Fan
00:23:18: weiß bestimmt, was ich meine. In den 80er und 90er Jahren war das echt cool. Und für mich ist es bis
00:23:23: heute eine warme Kindheitserinnerung, die sofort ein großes Lächeln ins Gesicht zaubert. Wenn du zu
00:23:30: Hause bist, was gehört für dich zu einem italienischen Abend? Ein italienischer Abend ist gut,
00:23:37: denn wir haben hier eigentlich jeden Tag Italien. Mein Mann ist Italiener und wir haben uns zu Hause
00:23:42: unser ganz eigenes kleines Little Italy geschaffen, obwohl wir hier hoch im Norden sind in Hamburg.
00:23:48: Das ist jetzt kein bewusst inszenierter Moment bei uns, sondern einfach Alltag. Italienische
00:23:54: Morgende mit starkem Café aus der Mokka und lebhaften Gesprächen zwischen Familienplanung,
00:24:00: Beratungsgesprächen mit Mandanten, dann das Mittagessen mit Pasta und allen zusammen am Tisch.
00:24:06: Ein kleines Jester kommt bei mir noch dazu und dann diese typisch langen Abende mit gutem Essen,
00:24:12: Musik, viel Austausch. Manchmal auch leidenschaftlichen Diskussionen, so wie es sich eben gehört. Es ist
00:24:18: generell ziemlich laut bei uns zu Hause und es wird verhältnismäßig wenig geschlafen, habe ich so
00:24:22: den Eindruck. Es ist so ein kleines Mikrouniversum, das wir uns hier geschaffen haben und für uns ist
00:24:29: das ganz normal. Italien ist bei uns nicht nur ein Land, sondern ein Lebensgefühl, das jeden Tag
00:24:35: mitschwingt. Bester italienischer Song? Sipastassio Navella Canzone von Eros Ramazzotti. Meine Cousine und
00:24:42: ich haben den Song schon mit zehn Jahren lauteils mitgetrellert, obwohl wir kein Wort vom Text
00:24:47: verstanden haben damals. Wie sieht dein persönlicher idealer Tag in Italien aus?
00:24:52: Mein idealer Tag in Italien. Das kommt so ein bisschen drauf an, ob ich arbeite oder Urlaub mache. Beides
00:24:59: fühlt sich italienisch an, aber auf sehr unterschiedliche Weise. Wenn ich arbeite, beginnt der Tag meistens
00:25:06: sehr früh, immer mit einem Café in der Bar und ein paar Kjaktiere mit dem Barista oder anderen
00:25:11: Stammgästen. Danach geht es los, Termine im Büro, Videokonferenzen, Besprechung mit Mandanten,
00:25:17: Treffen mit Marklern, Giormet, das Notaren, Ortsbesichtigung von Immobilien. Manchmal
00:25:23: nehme ich an Fortbildung teil, manchmal geht es auch nur zum Notarttermin. Mittags immer ein ruhiges,
00:25:29: gemütliches Essen, niemals nur ein schneller Snack und danach ein Café und vielleicht noch
00:25:35: ein Moment Pause und dann wird weitergearbeitet bis zum Apparativo, der vielleicht liebste Moment des
00:25:42: Tages für mich und dann der Übergang in den Abend. Wenn alles etwas ruhiger wird, man draußen sitzt,
00:25:47: was trinkt, vielleicht ein paar Soziakinie dazu, das ist für mich pure Lebensqualität, auch wenn
00:25:52: ich arbeiten muss. Am Ende natürlich noch ein Abendessen am liebsten draußen auf einer belebten
00:25:58: und lauten Piazza. Wenn ich Urlaub mache, sieht der Tag anders aus. Er beginnt ähnlich, auch da
00:26:05: stehe ich früh auf, beginnt für mich mit einem Café. Ich nehme mir morgens oft ein bis zwei
00:26:10: Stunden Zeit für mich in aller Ruhe, bevor die Familie wach wird. Das ist dann meine Zeit zum
00:26:16: Lesen, schreiben und arbeiten. Und dann beginnt der Urlaub richtig. Keine Termine, keine Plano.
00:26:22: Einfach treiben lassen. Am liebsten ans Meer. Ich bin absoluter Mehrmensch, also ein Mittelmeerkind,
00:26:28: sozusagen. Spazieren, Muscheln sammeln, ein leichtes Mittagessen mit den Füßen am liebsten im Sand.
00:26:35: Da wieder die Spaghetti allevongole mit einem kalten Glas Weißwein. Danach schlafen, lesen,
00:26:41: entspannen, vielleicht den Strandverkäufern zuschauen, der Musik aus der Bar nebenan lauschen.
00:26:46: Wir liegen immer ganz in der Nähe von der Bar, weil es da so schön lebendig und vertraut ist.
00:26:50: Nachmittags dann natürlich Giacciolo, Café Chakerato. Später wieder der Apparativo mit
00:26:57: mehr Blick. Vielleicht beim Sonnenuntergang. Und abends immer ein gemeinsames Essen mit
00:27:02: der ganzen Familie. Laut, fröhlich, ausgiebig. Mit einem Digistivo zum Abschluss langen Gesprächen,
00:27:07: viel lachen, spielenden Kindern. Am Ende natürlich auch ein Spaziergang durchs Dorf,
00:27:13: am Strand entlang, Barfuß im Sand, manchmal mit den Füßen im Wasser. Das Meer ist für mich
00:27:17: ein absoluter Ruhrpol. Ich muss es sehen, hören und riechen, gerade im Sommer. Und der Tag endet
00:27:24: meist spät, aber das macht nichts. Ich brauche eben nicht viel Schlaf. Hauptsache die Seele ist voll.
00:27:29: Das perfekte Getränk zum abendlichen Blick aufs Meer. Ich denke ein gut gekühltes Glas Weißwein.
00:27:36: oder einen Spritz, wahlweise mit Kampari oder Aperol.
00:27:39: Eigentlich ist es aber offen gestanden, der Blick aufs Meer, der mir schmeckt.
00:27:43: Alles andere ist dann eher Nebensache.
00:27:46: Dein persönlicher Geheimtipp an der Adria-Küste?
00:27:49: Meine perfekte Adria-Küsten-Kombi.
00:27:54: Übernachtung im Hotel Imperial Sport.
00:27:56: Tagsüber genießen am Bagnolallo und abends aperitivo im Weingut Mancini
00:28:02: mit einem kulinarischen Ausflug ins Il Falco.
00:28:06: Valugola, authentisch, herzlich und immer mit viel Liebe zum Detail.
00:28:10: Viel Quore und mehr inklusive.
00:28:13: Das Imperial Sport ist ein echtes Familienhotel, direkt am Strand, kein Designer-Tempel,
00:28:20: sondern italienisches Flair, herzlich unkompliziert.
00:28:23: Zimmer mit Balkonen, riesiger Pool für den morgendlichen Sport nach dem Frühstück
00:28:28: und eine Atmosphäre, die man irgendwie so nur in Italien findet.
00:28:33: Ein paar Schritte weiter, man ist am Meer.
00:28:35: Dort das Bagnolallo, unser täglicher Treffpunkt.
00:28:39: Morgens ein Café al Banco, mittags ein Panino, Spritz mit Meerblick,
00:28:42: Kindertoben im Sand, Betreiber kennen wir alle beim Namen.
00:28:46: Das ist einfach auch zu Hause, warm, herzlich und authentisch.
00:28:51: Und dann gibt es unbedingt noch auszuprobieren,
00:28:54: dass Mancini ein Weingut auf einem Hügel im Monte San Bartolo
00:28:59: und abends eben direkt am Wasser das Restaurante Il Falco, Valugola.
00:29:04: Direkt am Rande des Nationalparks.
00:29:07: Super, dank dir jetzt zu den individuellen Fragen, liebe Sofia.
00:29:12: Erzähl doch mal, wer sind deine Kunden?
00:29:15: Meine Mandanten sind im Prinzip so bunt wie Italien selbst.
00:29:19: Aber es gibt ein paar Gemeinsamkeiten.
00:29:22: Die meisten verbindet der Wunsch, sich eben einen langgehekten Traum zu erfüllen.
00:29:27: Ein eigenes Haus oder eine Wohnung in Italien,
00:29:30: sei es für den Urlaub oder zum Auswandern oder auch für später als Altershursitz.
00:29:36: Ich würde sagen, ungefähr 70 Prozent meiner Mandanten
00:29:40: haben die Immobilie schon gefunden, wenn sie zu mir kommen.
00:29:42: Manchmal steht der Kauf auch unmittelbar bevor.
00:29:45: Die anderen 30 Prozent sind noch so in der Orientierungsphase.
00:29:49: Sie suchen, vergleichen, lassen sich beraten.
00:29:52: Und ich begleite auch oft schon in dieser frühen Phase,
00:29:54: damit sie eben später keine bösen Überraschungen erleben.
00:29:57: Viele sind deutssprachig, also aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz.
00:30:01: Aber ich arbeite auch mit internationalen Familien, Paaren oder Erbengemeinschaften.
00:30:07: Manche kommen schon mit einer klaren Vorstellung, andere eher mit einem Gefühl,
00:30:12: ich möchte irgendwo in der Toskana oder irgendwo am Meer
00:30:17: oder irgendwo, wo es echt italienisch ist, was kaufen.
00:30:21: Und dann gibt es natürlich auch noch die, die plötzlich was geerbt haben
00:30:24: und gar nicht geplant hatten, sich mit dem italienischen Immobilienrecht
00:30:27: auseinandersetzen zu müssen.
00:30:29: Da helfe ich dann auch ganz pragmatisch weiter.
00:30:32: Was ich aber bei fast allen spüre, es geht nicht um Steine und Verträge,
00:30:38: sondern es geht meistens um Emotionen, um Sehnsucht, um ein Lebensentwurf
00:30:43: und darum diesen Traum eben sicher und realistisch umsetzen zu wollen.
00:30:47: Die meisten verlieben sich eben in so eine Immobilie.
00:30:50: Ah, okay. Was ist der größte Fehler, den Immobilienkäufer aus Deutschland
00:30:56: oder Österreich in Italien machen?
00:30:59: Der größte Fehler, ganz klar, zu schnell unterschreiben.
00:31:02: Viele Käuferinnen und Käufer lassen sich von der Atmosphäre mitreißen.
00:31:07: Verständlich, Italien verführt ja auch, man steht auf einer wunderschönen Terrasse
00:31:11: mit mehr Blick, der Makler ist charmant, es duftet und man denkt,
00:31:15: das ist es, das machen wir jetzt fest.
00:31:18: Und dann wird eben vorschnell ein Vorvertrag unterschrieben,
00:31:20: das sogenannte Kaufangebot, die Proposta daquisto,
00:31:23: oder sogar eine Anzahlung geleistet, direkt an den Verkäufer ohne die Immobilie geprüft zu haben.
00:31:28: Dabei ist genau das entscheidend.
00:31:30: Stimmt die Baugenehmigung, ist alles im Katastar korrekt eingetragen.
00:31:34: Gibt es alte Schulden, wege Rechte, Erbsstreitigkeiten, illegale Anbauten?
00:31:38: In Deutschland ist man es gewohnt, dass der Notar alles prüft.
00:31:42: In Italien ist das aber ein wenig anders.
00:31:45: Dort trägt man als Käufer viel mehr Verantwortung selbst.
00:31:48: Wer da ohne fachkundige Begleitung handelt,
00:31:52: kann eben Überraschungen riskieren und die sind selten positiv.
00:31:56: Deshalb, man Appell nicht aus dem Bauch herauskaufen
00:31:59: oder einfach auf sein Gefühl nur hören, sondern wirklich mit rechtlicher Absicherung.
00:32:05: Der Kauf einer Immobilie in Italien kann ein Traum sein
00:32:08: und er soll nicht zum Eibtraum werden.
00:32:10: Alles klar.
00:32:11: Was ist die größte Besonderheit in Italien?
00:32:14: Die Käufer aus dem Ausland immer wieder verblüfft.
00:32:17: Eine der größten Besonderheiten und für viele aus dem Ausland
00:32:22: vor allem wirklich verblüffend ist, wie komplex und kleinteilig eigentlich
00:32:25: das System rund um den Immobilienkauf in Italien sein kann.
00:32:29: Viele denken, ich kaufe ein Haus, was kann da schon groß schief gehen?
00:32:33: Aber in Italien hängt an einer Immobilie nicht nur ein Kaufvertrag,
00:32:36: sondern oft eine ganze Geschichte aus Katastarplänen,
00:32:39: Baugenehmigung, Nachträgen, Nutzungsänderung, Familienvereinbarung
00:32:43: und manchmal auch alten mündlichen Absprachen, die nie dokumentiert wurden.
00:32:48: Und was besonders überraschend ist, in Italien sind Katasta und Grundbuch
00:32:53: im Prinzip zwei getrennte Systeme, die oft nicht übereinstimmen.
00:32:57: Es kann auch verkauft werden, wenn etwas so nicht eingetragen ist.
00:33:01: Und das sorgt eben bei vielen deutschen oder österreichischen Schweizer Käufern
00:33:06: erst mal für Großes erstaunen und oft auch berechtigt für Unsicherheit.
00:33:10: Und dazu kommt, dass viele Häuser eben kleine und große bauliche Abweichungen aufweisen,
00:33:15: die nie offiziell genehmigt wurden, ein Fenster mehr, ein Balkonversetzen, Anbau.
00:33:20: Und auf einmal wird dann aus einem scheinbar klaren Kauf ein kleiner Behördenmarathon.
00:33:27: Aber das Gute ist, wenn man weiß, worauf man achten muss
00:33:29: und jemand an der Seite hat, der die Sprache, das Rechtssystem
00:33:32: und auch die italienische Denkweise und Mentalität versteht,
00:33:36: dann lässt sich das alles sehr gut steuern.
00:33:38: Nur eben nicht mal eben so.
00:33:40: Ja, das mir auch schon aufgefallen.
00:33:42: Welches war die größte Abzocke, von der du je gehört hast?
00:33:47: Eine Geschichte, die mir wirklich nahe gegangen ist,
00:33:50: war die einer Mandantin, die sich einen Traum erfüllen wollte.
00:33:53: Eine kleine Wohnung im Lazium, ganz idyllisch gelegen von ihrem ersparten Geld.
00:33:59: Sie hat mich dann leider erst kontaktiert, nachdem sie den Vorvertrag,
00:34:03: also die Proposta der Christus schon unterschrieben hatte,
00:34:05: um sowohl die Anzahlung als auch die Maklerprovision
00:34:09: dummerweise direkt gezahlt hatte, ohne irgendwie rechtliche Prüfung im Vorfeld.
00:34:13: Und dann kann das Böse erwachen.
00:34:15: Die gesamte Immobilie war ein Schwarzbau, alles völlig ohne Genehmigung errichtet.
00:34:20: Das kommt heute nur noch total selten vor.
00:34:23: Also ich habe in 15 Jahren Berufserfahrung nur zwei solcher Fälle erlebt.
00:34:26: Aber wenn es passiert, ist es natürlich verheerend.
00:34:29: Für die Mandantin war das der totale Schock.
00:34:32: Es ließ sich nichts mehr rückgängig machen.
00:34:34: Die einzige Möglichkeit war hier gerichtlich auf Rückzahlung der Anzahlung
00:34:37: und der Provision zu klagen.
00:34:39: Das Verfahren läuft bis heute und bisher konnte auch nur ein Bruchteil des entstandenen Schadens ersetzt werden.
00:34:45: Der Makler ist zwischenzeitlich insolvent.
00:34:48: Das zeigt einmal mehr, wie wichtig es sich eben ist, sich da frühzeitig beraten zu lassen.
00:34:52: Am besten, bevor man etwas unterschreibt oder irgendwie Geld überweist.
00:34:57: Wenn man einmal die falsche Richtung losläuft, kann es in Italien eben einfach schnell kompliziert werden.
00:35:02: Krass! Welche Abzocke konntest du selbst mal verhindern?
00:35:07: Bevor ich auf die Frage eingehe, möchte ich eins vorweg sagen.
00:35:10: Das Wort Abzocke gefällt mir persönlich nicht so gut.
00:35:13: Auch wenn ich deine Wortwahl lieber Stefan sonst sehr schätze,
00:35:16: es klingt so ein bisschen als sei es typisch für Italien,
00:35:20: dass man Käufer bewusst über den Tisch ziehen will.
00:35:22: Und das entspricht wirklich einfach nicht der Realität, wie ich sie täglich erlebe.
00:35:27: Wenn ich unregelmäßigkeiten feststelle oder feststellen lasse durch ein Geometra
00:35:32: und das passiert tatsächlich oft,
00:35:34: dann liegen diese meistens gar nicht in einer bösen Absicht begründet, sondern in Unwissen.
00:35:39: Viele Verkäufer wissen schlicht nicht, dass etwas nicht in Ordnung ist,
00:35:43: weil sie die Immobilie geerbt oder selbst irgendwann in diesem Zustand gekauft haben,
00:35:47: ohne sich je Gedanken über rechtliche oder bauliche Details zu machen.
00:35:52: Und genau deshalb ist meine Arbeit auch so wichtig,
00:35:54: denn diese besonderen Fälle sind nicht die Ausnahme, sondern der Regelfall.
00:35:58: Ich würde sagen, dass 95 Prozent der Kaufberatung zu irgendeinem Punkt
00:36:03: ich darauf stoße, ob es jetzt eine fehlende Genehmigung ist
00:36:07: oder ein unklarer Katastereintrag oder rechtliche Altlasten,
00:36:11: ich stoße in 95 Prozent der Fälle darauf.
00:36:15: Und dann geht es darum, diese Themen einfach rechtzeitig zu identifizieren
00:36:18: und bereinigen zu lassen, bevor der Kaufvertrag unterschrieben wird.
00:36:22: Ein gutes Beispiel dafür ist übrigens eine Familie,
00:36:24: die sich ein wunderschönes Landhaus in der Tuscana verliebt hatte.
00:36:28: Wirklich, also Bilderbuch Tuscana.
00:36:31: Alles wirkte perfekt, renovierter Natur, Stein, Olivenhain, traumhafte Lage.
00:36:37: Der Makler sagte, alles sei Ihnen regular.
00:36:40: Zum Glück haben Sie mich dann vor dem Vorvertrag doch noch eingeschaltet,
00:36:43: denn bei der Prüfung stellte sich schnell heraus.
00:36:45: Der Pool war illegal errichtet, Teile des Hauses stimmten nicht mit dem Katastar überein
00:36:51: und es lag sogar noch eine Hypothek auf der Immobilie, von der vorher nie die Rede gewesen war.
00:36:56: Hätten Sie zu dem Zeitung einfach unterschrieben, wäre eine hohe Anzahlung weg gewesen.
00:37:01: So aber konnten wir den Kauf erst mal stoppen, Eigentümer zur Nachbesserung verpflichten
00:37:06: und dann einige Monate später kam es zu einem rechtssicheren Abschluss
00:37:10: unter deutlich besseren Bedingungen.
00:37:12: Und genau das ist im Prinzip Kern meiner Arbeit.
00:37:14: Rechtszeitig hinschauen, aufdecken, absichern und dann mit gutem Gefühl kaufen.
00:37:20: Heftig.
00:37:22: Gab es auch mal einen Fall, wo du sagen musstest, tut mir leid.
00:37:26: Da können wir einfach überhaupt nichts mehr machen.
00:37:29: Ja, auch das kommt vor.
00:37:30: Einer der vielleicht schwersten Momente in meiner Arbeit ist tatsächlich
00:37:34: der, wenn ich sagen muss, es tut mir leid.
00:37:36: Da können wir jetzt einfach nichts mehr machen.
00:37:39: Ein besonders eindrücklicher Fall war ein Erbe.
00:37:42: Eine Frau hatte mal eine Immobilie in Italien von ihrer Tante geerbt.
00:37:45: Ich glaube irgendwo in Kalabrien war das.
00:37:47: Ein wunderschön gelegenes Grundstück mit einem kleinen Haus drauf.
00:37:51: Sie war voller Emotion, voller Dankbarkeit, wollte das Haus erhalten, sanieren,
00:37:55: vielleicht sogar selbst nutzen.
00:37:58: Als wir dann aber alle Unterlagen prüfen ließen, stellte sich heraus,
00:38:01: die Erbschaft war nie formell in Italien angenommen worden.
00:38:04: Die Mobil war im Grundbuch noch auf den Großvater eingetragen.
00:38:07: Es gab nie eine Katastereingleichung.
00:38:09: Und das war der Tiefpunkt.
00:38:11: Das Haus selbst war baulich so verändert worden,
00:38:14: dass es heute gar nicht mehr genehmigungsfähig gewesen wäre.
00:38:17: Also gar nicht verkehrsfähig.
00:38:19: Man kann das sogar nicht verkaufen.
00:38:21: Das bedeutete keine Legalisierung möglich, keine Nutzung möglich,
00:38:25: kein Verkauf, kein Zugriff rechtlich blockiert auf allen Ebenen.
00:38:29: Wir haben alles versucht mit dem technischen Amt gesprochen,
00:38:32: alte Erben ermittelt, versucht das Ganze zu konstruieren, zu rekonstruieren.
00:38:36: Aber es war einfach schlicht zu spät.
00:38:38: Zu viele Jahrzehnte ungeklärter Besitzverhältnisse,
00:38:41: keine Dokumentation, keine Nachweise.
00:38:44: Und am Ende blieb dieser Mandant nur die Erkenntnis,
00:38:46: dass diese Immobilie zwar ideell viel bedeutet hat,
00:38:49: aber rechtlich und wirtschaftlich unbrauchbar war.
00:38:51: Und das gehört auch zur Realität.
00:38:53: Nicht jede Immobilie in Italien lässt sich retten.
00:38:56: Vor allem, wenn Jahrzehnte lang niemand hingeschaut hat.
00:38:59: Deshalb je früher man sich kümmert,
00:39:01: sei es beim Kauf oder bei einer Erbschaft, desto besser.
00:39:03: Denn manchmal ist leider wirklich nichts zu machen.
00:39:06: Okay, blicken wir optimistischer in die Zukunft.
00:39:09: Jetzt mal Butter bei die Fische.
00:39:10: Ich sehe eine Wohnung für 300.000 Euro und bin verliebt.
00:39:14: Mit welchen Nebenkosten muss ich rechnen?
00:39:18: Und was müsste ich dir zahlen?
00:39:20: Damit alles vernünftig verläuft.
00:39:22: Also wenn nur eine Wohnung für 300.000 Euro in Italien ins Auge fasst,
00:39:27: solltest du realistisch mit Nebenkosten von,
00:39:30: ich sag jetzt mal, grob 10 bis 15 Prozent rechnen.
00:39:32: Je nach Region, Objekt, Nutzungsort Art.
00:39:35: Also das heißt konkret, hast du einmal die Grunderwerbsteuer?
00:39:39: Das sind meist zwischen 2 und 9 Prozent.
00:39:41: Je nachdem, ob Erst- oder Zweitwohnensitzkauf.
00:39:45: In vielen Fällen wird die Steuer auf den Katasterwert berechnet.
00:39:48: In den allermeisten Fällen.
00:39:49: Der ist dann oft viel nötiger als der Kaufpreis,
00:39:52: was die Steuerlast deutlich reduziert.
00:39:54: Dann kommen Notarkosten dazu.
00:39:56: Ich sage jetzt mal, grob 1500 bis 5000 Euro je nach Aufwand.
00:40:00: Die Maklerprovisionen, das sind in der Regel 2 bis 8 Prozent.
00:40:04: Oft vom Käufer und Verkäufer zu leisten.
00:40:08: Kataster und Registergebühren,
00:40:09: gegebenenfalls Übersetzung von Dokumenten für die Bank,
00:40:12: wenn man finanziert oder sonstig ist.
00:40:14: Und dann natürlich noch mein Honorar für die rechtliche Begleitung und Beratung.
00:40:18: Vom ersten Vertragsentwurf über die Prüfung der Unterlagen.
00:40:21: Kommunikation mit Maklern, Tageometer bis hin zur Begleitung beim Notartermin.
00:40:27: Aber und jetzt kommt das Bonusargument, dass ich ungern verschweige.
00:40:31: Ich versuche, meine Beratungskosten quasi immer wieder reinzuspielen.
00:40:34: Und zwar indem ich gerne bei den Kaufpreisverhandlungen unterstütze.
00:40:38: Was viele nicht wissen, ich habe es ja vorhin schon gesagt.
00:40:40: Ich bin halb Armeenierin und Stefan, ich weiß nicht, wie gut du dich da auskennst.
00:40:44: Wir Armeenier sind bekannt dafür, sehr gut und sehr gerne zu verhandeln.
00:40:48: Und ich liebe das.
00:40:49: In den meisten Fällen gelingt es mir, im Kaufpreis noch mal was rauszuholen.
00:40:53: Sei es durch geschickte Argumentation oder durch das Aufzeigen
00:40:56: von rechtlichen Unsicherheiten, die vorher keiner gesehen hat.
00:41:00: Und Schwupps ist wieder ein bisschen mehr Luft im Budget.
00:41:02: Vielleicht für neue Fliesen, ein Expression mit mehr Blick
00:41:05: oder eben für mein rundum sorglos Paket.
00:41:08: Fazit, ein bisschen investieren und am Ende viel sicherer, entspannter
00:41:12: und vielleicht sogar günstiger ans Ziel zu kommen.
00:41:15: Das ist doch ein ziemlich guter Deal, wie ich finde.
00:41:17: Boah, ein Immobilienkauf ist so teuer, sagen jetzt manche.
00:41:21: Muss es dann noch eine Anwältin sein? Was antwortest du?
00:41:26: Wenn mich jemand fragt, muss denn auch noch eine Anwältin sein.
00:41:30: Ein Immobilienkauf ist doch eh schon so teuer.
00:41:32: Dann antworte ich meistens mit einem Schmunzeln
00:41:36: ein Haus in Italien kaufen, ohne juristische Begleitung ist ein bisschen
00:41:40: wie nachts in einer fremden Stadt ohne Navilos zu fahren.
00:41:44: Klar, man kann Glück haben, man kommt vielleicht sogar irgendwie ans Ziel.
00:41:48: Oder eben man landet auf einer Einbahnstraße,
00:41:51: zahlt Maut für eine Strecke ins Nirgendwo
00:41:53: und merkt es leider erst, wenn es richtig teuer wird.
00:41:56: Oder aber man baut schlimmstenfalls einen schweren Unfall.
00:41:59: Oder anders gesagt, niemand käme auf die Idee,
00:42:02: einen Immobilienkauf und Notar zu kaufen, geht ja auch gar nicht anders.
00:42:04: Aber beim Thema Anwalt wird dann plötzlich gezögert.
00:42:08: Dabei ist der Notar in Italien neutral, also ersetzt den Vertrag um,
00:42:11: aber er prüft ihn nicht für dich als Käufer.
00:42:14: Er berät dich nicht. Ich bin auf der Seite der Käufer.
00:42:18: Ich bin die, die sagt, Moment, da sollten wir noch mal genauer hinschauen.
00:42:21: Oder das verhandeln wir besser noch mal.
00:42:24: Und genau darum geht es.
00:42:25: Ich verstehe mich nicht als zusätzlicher Luxus,
00:42:28: sondern als Sicherheitsinvestition.
00:42:31: Wie der Gurt im Auto, sage ich immer gerne.
00:42:33: Man hofft, dass man ihn nie braucht.
00:42:35: Aber wenn etwas passiert, ist man heilfroh, dass er da war.
00:42:39: Und im besten Fall sorgt er einfach nur dafür,
00:42:42: dass du sicher, stressfrei und mit einem richtig guten Gefühl
00:42:47: zu deinem italienischen Traumziel kommst.
00:42:50: Win, win.
00:42:51: Oder sagen wir auf Italienisch, tut die Contenti.
00:42:54: Super. Vielen Dank, liebe Sofia.
00:42:56: Ganz wunderbar.
00:42:58: Die Behörerinnen, die Behörer habt ihr noch Fragen an sie.
00:43:01: Könnt ihr mir gerne schreiben, ich leite alles weiter.
00:43:04: Grazie mille, Caro Stefan, es war mir eine große Freude.
00:43:08: Und ja, klar, ich komme sehr gerne wieder.
00:43:11: Wenn ihr Fragen habt rund um Immobilien, Italien,
00:43:14: das deutsche Wieter dazwischen, dann schickt sie mir gerne.
00:43:17: Ich freue mich auf ein Wiederhören.
00:43:19: Allerprosyma.
00:43:21: Super, das war mein erster Gast in zwei Wochen.
00:43:27: Geht's mit einem weiteren Gast weiter.
00:43:29: Und jetzt reden wir über Katzen in Grado.
00:43:33: Denn letzte Folge hatten wir Hunde.
00:43:35: Und jetzt sind die Katzen dran.
00:43:37: Mehrere Leser und Hörer haben mich gefragt,
00:43:40: gibt es in Grado keine Katzen?
00:43:43: Wir sehen nie, welche auf der Straße haben die etwa Inselverbot.
00:43:47: Wundert sich Erich Wehe.
00:43:48: Nein, es gibt reichlich Katzen.
00:43:51: Sie leben aber ganz Italienisch in größeren Gemeinschaften,
00:43:54: statt als Einzelgänger durch die Gegend zu strommern.
00:43:58: Es gibt regelrechte Katzen-Hotspots.
00:44:01: Darunter das leerstehende Hotel in der Via Roma,
00:44:04: wo sich ein Dutzend Katzen auffällt und von den Anwohnern gefüttert wird.
00:44:08: Aber auch auf der Insel Skiusa,
00:44:10: sowie in der Nähe vom Camping Albosco,
00:44:12: wo sich ebenfalls Katzenfans um die Fütterungen kümmern.
00:44:16: Vermutlich gehen zudem gerade in der Saison
00:44:19: viele Katzen auf Tauchstationen,
00:44:21: weil es ja so viele Hunde in Grado gibt.
00:44:24: Ganz viele Touristen nehmen den Hund mit in den Urlaub.
00:44:27: Das war ja das große Thema der letzten Folge.
00:44:30: Und Valentina, die ihr aus dem Buch "Mein Leben am Strand" kennt
00:44:34: und von der ihr gleich noch mehr hören werdet,
00:44:37: hat sieben oder acht Katzen in ihrer Wohnung.
00:44:41: Hier kommt ein Kapitel aus "Mein Leben am Strand".
00:44:46: Valentinas Rauchzeichen.
00:44:49: Valentina hat das Liegen perfektioniert.
00:44:52: Sie hat den Sonnenschirm direkt links neben uns und verbringt ab Mai.
00:44:57: Jeden Vormittag konsequent in der Horizontalen.
00:45:00: Das heißt, nicht ganz.
00:45:02: Das Rückenteil ist ein paar Winkel gerade erhöht,
00:45:05: damit ihr die Asche ihrer Zigarette nicht ins Gesicht fällt.
00:45:08: Sie ernährt sich tagsüber nämlich ausschließlich von Zigaretten.
00:45:12: Am Morgen trinkt sie einen schwarzen Kaffee
00:45:15: und ist angeblich dazu ein Corson.
00:45:17: Wobei sie aber noch nie jemand beobachtet hat.
00:45:20: Am Abend trinkt sie ein Glas Pino Nero.
00:45:23: Sie ist schon zu Beginn der Saison tiefbraun gebrannt
00:45:27: und hat, obwohl sie über 60 ist, die Figur einer Balletttänzerin.
00:45:31: Kein Wunder bei der Diät.
00:45:34: Im Hochsommer wird sie so schwarz, wie man nur werden kann.
00:45:37: Ich kann mir niemanden vorstellen, der ihre Bräune schlägt.
00:45:41: Trähte sie im Fernsehen auf,
00:45:43: müsste sie vermutlich runtergeschminkt werden,
00:45:46: wie es in diesem Fall tatsächlich heißt.
00:45:48: Das geschah mit Dieter Bohlen und Thomas Anders von Modern Talking,
00:45:52: die ja in den seeligen 80er-Jahren in Deutschlands Solarien
00:45:56: um die Wette bräunten.
00:45:58: Valentina war Literaturkritikerin.
00:46:00: Bietet jetzt aber schreibseminare online mit Hilfe von AI an,
00:46:05: was ungeheuer profitabel zu sein scheint.
00:46:08: Sie arbeitet von 4 Uhr morgens bis 8 Uhr morgens.
00:46:11: Dann liegt sie bis zum frühen Nachmittag rauchend und lesend am Strand.
00:46:15: Um 18 Uhr ist sie zu Abend.
00:46:18: Um 20 Uhr liegt sie im Bett.
00:46:20: Ein für Strandbewohnerinnen und auch für Italienerinnen.
00:46:23: durchaus ungewöhnlicher Rhythmus.
00:46:26: Sie ist eine Person wie aus einem Pedro Almodovar Film
00:46:30: und unsere beste Strandfreundin.
00:46:32: Derzeit schmiedet sie offene Rachepläne gegen ihren Mann,
00:46:36: der sie nach 31 Jahren ehe,
00:46:38: nicht nur für eine jüngere verlassen,
00:46:40: sondern mit ihr auch noch ein Kind gezeugt hat.
00:46:42: Nein, eigentlich schmiedet sie Rachepläne gegen die Jüngere.
00:46:47: So will sie meine ältere Tochter,
00:46:49: die gerade den Führerschein gemacht hat,
00:46:51: dazu überreden, die Nebenbühlerin zu überfahren.
00:46:54: Denn als Fahranfängerin gelte das dann nicht als Mordanschlag behauptet sie.
00:47:00: Sie erzählt das alles sicher nur aus Spaß, aber Wetten würde ich nicht drauf.
00:47:05: Mit Valentina kann man wunderbar lästern,
00:47:08: was einen integralen Bestandteil des Strandlebens darstellt.
00:47:12: Sie hat eine feine Beobachtungsgabe
00:47:14: und zu jeder Person eine ebenso bretharte, wie amüsante Meinung.
00:47:19: Sie würzt alles mit einem Schuss-Obsönität.
00:47:22: Wie kann man mit so einem Kerl nur ins Bett gehen wollen?
00:47:25: Fui Teufel.
00:47:26: Die man ihr lächelnd durchgehen lässt.
00:47:28: Ja, über die man sich regelrecht freut.
00:47:31: Das Erstaunliche ist auch das sofortige Umknipsen ihrer Gefühlswelten,
00:47:35: was man niemandem abnehmen würde, der nicht Italienerin ist.
00:47:39: Sie zieht in schönstem, unflätigstem Maße
00:47:42: über den unfähigen Vizdirektor der Strandverwaltung her.
00:47:46: Dann kommen meine Töchter, ihr Gesicht hält sich auf,
00:47:49: sie ruft Amori und knutscht sie ab.
00:47:52: Und wenn sie damit fertig ist und die beiden von Kopf bis Fuß durchgelobt hat,
00:47:57: der Vorgang kann einige Minuten dauern, schaltet sie unmittelbar um,
00:48:01: knüpft an ihre Tirade an und sagt, setze wie, mir kommt's hoch,
00:48:05: wenn ich nur sehe, wie der Kerl seinen Polokragen hochstellt.
00:48:09: Das alles klingt auf Italienisch zwar schöner,
00:48:12: ändert aber nichts am Inhalt.
00:48:15: Lestern ist übrigens viel besser als sein Ruf.
00:48:19: Die US-Forscher Megan Robbins und Alexander Karen glauben,
00:48:23: dass Lestern einen sozialen Klebstoff darstellt,
00:48:26: mit dessen Hilfe Freundschaften geformt und Netzwerke gebildet würden.
00:48:31: Der britische Psychologe Robin Dunbar stellt sogar die These auf,
00:48:35: dass die Entwicklung der Sprache ohne Klatsch und Tratsch unmöglich gewesen wäre.
00:48:41: Außerdem ist Lestern selten so schlimm und intrigant,
00:48:44: wie man meinen könnte, sagen die Forscher.
00:48:47: Es wird viel weniger böse getratscht als vermutet.
00:48:51: Allerdings gehörte Valentina nicht zu ihrer Versuchsgruppe.
00:48:56: Ich glaube, Ivano und Valentina hatten mal was miteinander.
00:49:00: Sie streitet das allerdings ab und zwar auf Valentina-Art.
00:49:04: Sie nimmt die Zigarette von den Lippen, steckt sich den Zeigefinger der freien Hand in den Mund
00:49:09: und imitiert ein heftiges Würgen.
00:49:11: Unter dem Sonnenschirm beschimpft sie ihn als "Cretino",
00:49:15: was dank Valentinas fortlaufender Verwendung und perfekter Betonung
00:49:19: eines meiner Lieblingsschimpfwörter geworden ist.
00:49:22: Valentina, wie gesagt, lässt nichts raus,
00:49:25: obwohl sie sonst recht freigiebig über ihr Liebesleben plaudert.
00:49:28: Und jetzt darf sie es ja auch und lässt es ordentlich krachen.
00:49:32: Obwohl die Jüngere ihres Ex-Manns immer noch auf ihrer Todesliste steht.
00:49:37: Ich werde aber zusehen, dass ich im Laufe dieses Sommers ein bisschen mehr herausbekomme.
00:49:42: Ihr Repertoire an Schimpf und Schmähvokabular ist jedenfalls grenzenlos.
00:49:47: Ich höre ihr jedes Mal staunend zu und in ihrer Gegenwart werden selbst die Möwen rot.
00:49:53: Und wer das gesamte Repertoire auf einmal abrufen will,
00:49:56: muss einfach nur kurz die neue ihres Ex-Manns erwähnen.
00:50:02: Bücher und dem Sonnenschirm.
00:50:06: Wenn schon Italien, dann richtig.
00:50:08: Meine geniale Freundin von Elena Ferrante.
00:50:12: Was für ein großartiges Werk.
00:50:15: Elena Ferrante erzählt die Geschichte zweier Freundinnen im Neapel der Nachkriegszeit.
00:50:21: Und zwar in vier Bänden.
00:50:23: Buchhändlerinnen, die angeben wollen, sprechen von einer Tetralogie.
00:50:28: Ihr schmeckt beim Lesen den Stau von Neapels Straßen auf der Zunge,
00:50:31: spürt die Hitze in den engen Gassen und die Beklemmung der beiden,
00:50:35: die verzweifelt versuchen, sich aus den gesellschaftlichen Ketten zu befreien.
00:50:40: Die Süddeutsch Zeitung schreibt, was Charles Dickens für London war,
00:50:43: ist Elena Ferrante für Neapel.
00:50:46: Nicht übertrieben.
00:50:48: Und erstaunlich, Elena Ferrante ist das Pseudonym einer Autorin,
00:50:53: die bis heute unbekannt geblieben ist.
00:50:57: Die italienische Zahl.
00:50:59: Wie viel Prozent aller Gerichte, die in italienischen Haushalten gegessen werden,
00:51:04: sind fertiggerichte.
00:51:05: Der höchste Wert in Europa.
00:51:07: Großbritannien 50,7 Prozent. Krass.
00:51:11: Deutschland nicht viel besser, 46,2 Prozent.
00:51:15: Österreich etwas besser, 35 Prozent.
00:51:18: Italien, mal kurz raten.
00:51:21: 13,4 Prozent.
00:51:23: Die zweitniedrigste Zahl in Europa.
00:51:26: Niedriger liegt nur Portugal, 10,2 Prozent.
00:51:32: Bildungsauftrag das italienische Wort.
00:51:38: Abronzatura Milanese.
00:51:41: Dieser Begriff ist die Rache des kleinen Mannes an den Reichen und Mächtigen.
00:51:45: Denn die Abronzatura Milanese, die Meiländer Bräune,
00:51:50: wurde der Spottbegriff der armen Küstenbewohner
00:51:52: für die wohlhabenden Büromenschen der Metropolen,
00:51:55: die im Sommer die Strände eroberten.
00:51:58: Er bezeichnet nichts anderes als weißen, käsigen, ungesund wirkenden Tern,
00:52:03: entstanden durch zu viel Büroarbeit, zu häufiges Check'n'Wichtiger-Mails,
00:52:08: allzu akribisches Starren auf das Schwanken der Kurse.
00:52:12: Aber hinter all dem Spott steckt auch eine sozio-kulturelle Zeitenwende.
00:52:17: Das Phänomen der Meiländer Bräune erzählt nämlich eine Geschichte der Globalisierung,
00:52:21: die den Italienern überhaupt nicht recht ist.
00:52:24: Denn früher verbrachte man den Sommer am Meer.
00:52:27: Sensor C ist Sensor MA, ohne Wenn und Aber.
00:52:31: Mindestens vier, meistens aber sechs bis acht Wochen,
00:52:35: setzte das wirtschaftliche Leben komplett aus.
00:52:38: Jedes Geschäft hatte geschlossen, auch krank werden sollte tunlis niemand,
00:52:42: denn auch die Ärzte lagen im Sommer am Strand.
00:52:45: Das hat sich fundamental geändert.
00:52:47: Keine Bank, keine Designfirma, kein Autozulieferer
00:52:51: kann sich mehr einen mehrwöchigen, gar mehr monatigen Sommerurlaub wie früher erlauben.
00:52:56: In den weltweit vernetzten Wirtschaftsbeziehungen
00:52:59: arbeitet niemand mehr bloß für die Nachbarschaft,
00:53:02: wie jener Kfz-Mechaniker aus Neapel, der ein Schild an der Garagentür anbrachte.
00:53:07: Paulo hat genug verdient. Er ist jetzt am Meer.
00:53:11: Die einst endlose Saison wurde mittlerweile auf die Tage rund um den Ferragosto eingedampft.
00:53:17: Und deswegen hat sich die sommerliche Lebensform des Pendularismo herausgebildet.
00:53:23: Noch ein italienisches Wort.
00:53:25: Die Kinder werden mit der Mutter, Seltener dem Vater oder den Großeltern,
00:53:29: zwar für den ganzen Sommer an den Strand geschickt,
00:53:32: aber der Geldverdiener oder die Geldverdienerin
00:53:35: hält am Schreibtisch brav die Stellung
00:53:37: und pendelt am Wochenende von der Stadt bis zum Meer und wieder zurück.
00:53:41: Inzwischen arbeiten in Italien auch immer öfter beide Elternteile,
00:53:46: so dass stabile Generationen übergreifende Familienstrukturen
00:53:50: immer wichtiger für den Strandurlaub der Kleinen werden.
00:53:54: Und dieser Nebenschauplatz der Globalisierung
00:53:56: ist der Gesichtsfarbe der Meilinder und alle anderen Großstädter nicht gerade dienlich.
00:54:02: Und das war die Kaffeemühle in Pinos Bahre, wo ich gerade sitze.
00:54:11: Ich wünsche euch noch einen schönen Tag. Empfehlt diesen Podcast gern weiter.
00:54:15: Und schaut auf postausitalien.com vorbei.
00:54:20: In der nächsten Folge haben wir einen Gast, der die Geheimnisse der Adria erforscht.
00:54:25: Das wird ganz spannend versprochen.
00:54:28: Bis bald und immer Deutsche Wieter bleiben.
00:54:31: Das war Radio Adria, der Italien-Podcast.
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00:54:55: Grazie mille und bis zur nächsten Folge. Bleibt Deutsche Wieter!
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