#33: Venedigs Exzesse, der Tomatenkrieg, das Ciao-Problem, Insel zu verkaufen!
Shownotes
Hier kommen die bunten Neuigkeiten aus Italien, darunter:
- Venedigs Luxushotels drehen frei
- U-Boote in der Lagune von Grado
- Wie teuer ist eigentlich eine Gondel?
- Der Streit um die gute San-Marzano-Tomate
- Ärger um fehlende Beschriftungen im neuen Museum
- Insel in der Lagune zu verkaufen!
Außerdem gibt es Italien-Themen für Kenner, darunter:
- Wann Ciao angebracht ist – und wann nicht
- Ein 400 Jahre altes Nudelpatent
Mein neues Buch heißt »Espresso unter Sternen – eine Reise in Sachen Glück«. Hier steht mehr: https://www.goldegg-verlag.com/titel/espresso-unter-sternen/
Danke an meinen Werbepartner! Das Restaurant Portobuso direkt am Hafen von Grado bietet japanische Küche mit fangfrischem Fisch – eine geniale Kombination: https://www.portobuso.it
Fragen, Wünsche, Anregungen? Wen wollt ihr mal als Gast hören, welche Themen soll ich mir vornehmen, was würdet ihr wirklich gern wissen? Schreibt mir: radioadria@gmx.de
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Der Podcast ist eine Produktion von www.studiovenezia.de
Transkript anzeigen
00:00:06: Buongiorno und herzlich willkommen bei Radio Adria, dem Podcast aus Italien.
00:00:11: Hier dreht sich alles um la Deutsche Vita – um das Lebensgefühl zwischen Espresso und Aperitivo, um die kleinen Geheimnisse und großen Geschichten dieses wunderbaren Landes!
00:00:22: Ich bin Stefan Maywald, Autor- und Wahlitaliener aus Grado und ich nehme euch mit auf eine Reise voller Sonne Genuss und Italianità also zurücklehnen entspannen und ein bisschen Italien ins Leben lassen.
00:00:37: Andiamo!
00:00:45: Buongiorno aus Grado.
00:00:48: Gerade bin ich vom zweiten Teil meiner Lesereise zurück, danke an alle die da waren – großartig.
00:00:54: Und ich weiß immer mehr Hörerinnen und Hörern packen schon die Koffer für Italien.
00:01:02: Deshalb reden wir heute über ein Fropan den auch erfahrene Italien-Urlauber gern begehen…und ich sowieso.
00:01:11: Aber zuerst, was erwartet euch heute?
00:01:14: Venedics Exzesse Insel zu verkaufen.
00:01:18: Die Entdeckung der Nudel U-Boote in der Lagune Tomatenkrieg in Kalifornien und das Ciaoproblem.
00:01:29: Gehen wir gleich rein Bildungsauftrag?
00:01:36: Das italienische Wort Mir ist aufgefallen auch an mir selbst.
00:01:41: Wir sagen viel zu schnell Tchau!
00:01:45: Wirklich viel zu schnell.
00:01:47: Und selbst mir ist es die ersten Jahre viel so schnell rausgerutscht, ich habe meinen künftigen Schwiegervater beim ersten Treffen mit tchau begrüßt.
00:01:57: Wenn ich nur daran denke läuft es mir kalt den Rücken runter.
00:02:00: Ja wir lernen einmal einen Kellnerkinn zack.
00:02:03: Dann heißt es tchau Nicht bonjourno nicht vorsichtig lächeln nein direkt volles tchau.
00:02:09: Zu jedem zum Taxifahrer zur Rezeptionistin Zur Karabinieri-Kontrolle wahrscheinlich auch noch.
00:02:17: Da ist es ein echtes Problem und kann sogar Ärger geben!
00:02:21: Ciao, ist in Italien viel feiner abgestuft als wir denken?
00:02:26: Es ist kein Universalwerkzeug wie bei uns.
00:02:29: Tschüss!
00:02:30: Italiener starten oft erst mal mit Bon giorno – das heißt übersetzt Wir beide sind zivilisierte Menschen.
00:02:37: Mal sehen wohin das führt.
00:02:39: Und erst später kommt vielleicht das ciao Wenn man sich kennt, wenn man den selben Kellner zum dritten Mal sieht oder gemeinsam über einen Schiedsrichter beim Fußballspiel geschimpft hat.
00:02:51: Wir dagegen hören einmal irgendwo ciao ragazzi und denken perfekt das machen wir jetzt immer!
00:02:57: Und deshalb laufen in Italien jeden Sommer Millionen Menschen herum die völlig euphorisch fremde Anstrahlen mit ciao franco.
00:03:05: Ich glaube Das schöne an Italien ist ja genau dass diese feinen sozialen Übergänge Dass man sich erst mal höflich beschnuppert Und wenn irgendwann das erste echte Chao kommt, fühlt es sich plötzlich an wie eine kleine Adoption.
00:03:21: Also lieber einmal zu viel Bonjourno als einmal zu früh Chao!
00:03:26: Ein Erlebnis dass ich nie vergessen werde... Als ich vierzehn oder fünfzehnt war ging mich mit einem Kumpel zu einem Fußballspiel in der Kreisliga.
00:03:34: Wir sind natürlich nicht in Italien sondern in Niedersachsen.
00:03:37: ein anderer Kumpelspielte dort.
00:03:39: An der Klappbank war die Kasse aufgebaut und mein Kumpel fragte, du können wir umsonst rein.
00:03:44: Ich spiele beim SV
00:03:45: Breutzem.".
00:03:46: Und der Mann an der Kasse blickte auf, sag mal was tuzt du mich?
00:03:50: Haben wir schonmal zusammen Schweine gehütet oder was?
00:03:55: Okay ja also wo wir schon dabei sind.
00:03:59: Woher kommt das Wort ciao eigentlich?
00:04:01: Es ist übrigens das zweitbekannteste Wort der italienischen Sprache weltweit auf Platz eins.
00:04:10: Das Wort Chao kommt ursprünglich aus dem Venetianischen.
00:04:14: Dort sagte man früher Chavo oder Chavo Vostro, was wirklich etwa Ich Bin Ihr Diener, ihr Sklave bedeutete.
00:04:22: Es war also ursprünglich eine höfliche Unterwerfungsformel ähnlich wie das deutsche oder österreichische Servus zu diensten unter Freunden vielleicht auch zunächst ironisch gemeint.
00:04:35: Der Ursprung geht weiter zurück auf das italienische Skiavo, Sklave und letztlich auf das spätlatanische Sklavus.
00:04:42: Dieses Wort hing historisch mit den Slaven zusammen weil im Mittelalter viele fassklarvte Menschen aus slavischen Regionen stammten.
00:04:50: Im Laufe der Zeit verlor Tchao seinen unterwürfigen Sinn und wurde einfach zu einem lockeren Gruß unter Freunden Aber das Wort selbst ist noch gar nicht so alt.
00:04:59: erst Ende des neunzehnten Jahrhunderts Verbreitete sich das Wort von Norditalien aus dem ganzen Land später international.
00:05:07: Interessant ist auch, in Italien bedeutet Chao sowohl Hallo als auch Tschüss – im Deutschen wird es fast nur als Abschiedsgruß verwendet.
00:05:17: Verwandt ist wie gesagt das österreichische bayerische Servus dass ebenfalls ursprünglich Dina bedeutete und jetzt mitten rein in Venedigs Luxus!
00:05:29: Denn in der letzten Folge habe ich ja über die zunehmende Dichte an Luxushotels Und nach der Aufnahme habe ich noch mit der Producerin gesprochen und wir waren beide ein bisschen schockiert.
00:05:43: Denn, der einzige Luxus den ich mir in meinem Leben immer gegönnt habe war einmal pro Jahr mit meiner Frau für eine Nacht maximal zwei Nächte in einem dieser fabelhaften Luxushotels übernachten.
00:05:57: Das ist teuer das tut weh aber es ist eben auch wunderbar.
00:06:01: wie gesagt einmal im Jahr und meistens nur für eine nacht.
00:06:06: Meine Producerin hat es ähnlich gehandhabt.
00:06:08: Nicht oft nach Venedig, aber wenn dann richtig!
00:06:12: Bis vor ein paar Jahren kostete beispielsweise ein Zimmer in meinem geliebten Cipriani, wenn du gut gebucht hast zwischen vierhundert und fünfhundert Euro – wie gesagt schmerzhaft.
00:06:23: Aber das haben wir uns gegönnt.
00:06:25: Doch in den letzten Jahren Wahnsinn die Preise haben sich zum Teil vervierfacht und wir müssen auf den Luxus verzichten.
00:06:35: Ich habe mal auf Booking geschaut.
00:06:37: Von Montag auf Dienstag, achtzehnte bis neunzehntem Mai – ganz unverdächtige Tage mitten in der Woche!
00:06:43: Was kostet da eine Nacht in Venedig?
00:06:46: Im San Clemente bei draußen, sechshundertneinzig Euro.
00:06:51: Im JW Marriott, achthundertsechzig Euro auch weit draußen.
00:06:55: Geht aber noch….
00:06:56: Jetzt rein in die Stadt!
00:06:59: Balioni, eintausend vierhundertfünfeuereinzig euro.
00:07:04: Centregis Das neue Orient Express, gerade im März aufgemacht.
00:07:14: Ich wiederhole für eine Nacht!
00:07:29: Also der Glamour-Luxus ist damit aus dem Spiel.
00:07:33: Ich werde demnächst mit dem Rubbellos-Millionär.
00:07:36: Das einzige relative Schnäppchen, das ich gefunden habe ist der Palazzo Vennart mit sixhundertseizig Euro.
00:07:44: Aber...das Restaurant hat zwei Michelin Sterne.
00:07:47: Da lässt man das gesparte Geld dann halt dort!
00:07:50: Diese Preisexplosion hat einen Grund.
00:07:53: Siebzig Prozent der Gäste in den Nobelhotels sind US Amerikaner.
00:07:57: Die sind extrem hohe Hotelpreise gewohnt.
00:08:01: In den USA kostet jedes fünf Sternenhotel weit über tausend Dollar.
00:08:05: Und ich habe gerade mal gecheckt, in den USA leben mehr als dreihundert Millionen Menschen.
00:08:11: davon sind fünfzehnzig Millionen Millionäre.
00:08:14: Tendenz stark steigend.
00:08:17: die Schere geht immer weiter auf und weil eine Europareise zum guten Ton gehört und ein Venedistop sowieso geht den Hotels die Kundschaft nicht aus.
00:08:31: Die italienische Zahl wo wir gerade beim Geld sind Wie teuer ist eigentlich eine venizianische Gondel?
00:08:42: Sie besteht aus neuen Holzarten.
00:08:43: Die typischen Gondeln sind etwa elf Meter lang und sechshundert Kilo schwer.
00:08:48: Einst gab es Gondelen in allerlei Farben, und gar mit Blattgold beschlägen!
00:08:53: Der aktuelle Gondelpreis – jeder kann sich eine kaufen – liegt bei thirty-fünf Tausend Euro.
00:09:00: Der Doge benutzte Gondellen gern als Geschenk.
00:09:03: so überreichte er dem Sonnenkönig Ludwig XIV von Frankreich mehrere Exemplare und fünfzehn Gondolieri gleich dazu – ob freiwillig oder unfreiwillig, keine Ahnung – die in den Kanälen seiner Gartenanlage in Versailles hin- und herfahren durften.
00:09:19: Und jetzt lese ich euch eine Kritik zu meinem neuen Buch vor, die mich sehr gefreut hat!
00:09:26: Von der Buchbloggerin Bibliothek des Lebens über Espresso unter Sternen.
00:09:32: Über den Sinn das Glück und Brötchen.
00:09:34: mit Kenn.
00:09:35: Stefan Maywald verlässt diesmal sein geliebtes Grado, zumindest vorübergeht.
00:09:40: Raus aus der vertrauten Komfortzone und hinein in das urbane Leben von Triest.
00:09:45: Anfangs noch begleitet von Zweifeln und dem Gefühl, dass Vertraute zurückzulassen beginnt er nach und nach die besondere Atmosphäre der Hafenstadt für sich zu entdecken.
00:09:56: In dieser Phase der Entschleunigung findet er schließlich genau jenes Café, das ihm über die Zeit ohne sein Geliebtes Dapino hinweghilft ebenso wie eine Trattoria die für sein kulinarisches Wohlbefinden zu einem besonderen Ort wird.
00:10:10: Zwischen diesen neuen Fixpunkten des Alltags entstehen zugleich neue Gedanken über das Glück im Leben.
00:10:16: Dabei erzählt er nicht einfach von einem Ortswechsel, sondern von einer persönlichen Spurensuche.
00:10:22: Er fragt sich ob die Prinzipien des guten Lebens –die er in Grado gefunden hat– auch anderswo existieren und was Menschen tatsächlich zum Meer zur Friedenheit verhilft?
00:10:33: Das Buch versteht sich dabei aber keineswegs als Lebensratgeber.
00:10:37: Vielmehr nähert er sich diesen Fragen mit Beobachtungsgabe, Leichtigkeit und einer angenehm unaufträglichen Klugheit.
00:10:44: Besonders gelungen ist die Mischung aus persönlichen Eindrücken, kulinarischen Entdeckungen und den für ihn typischen Anekdoten über Land- und Leute.
00:10:53: Mit feinem Humor, charmanten Alltagsbeobachtungen und interessanten Hintergrundinformationen entsteht eine entspannte zugleich aber auch nachdenkliche Lektüre – unbedingt Lesen.
00:11:04: Und ich, ja mich hat er wieder begeistert und inspiriert.
00:11:08: In zehn Tagen geht es nun spontan zwei Tage nach Triest.
00:11:12: Grazie mille Herr Maywald.
00:11:15: Nein Ich habe zu danken Liebe Bibliothek des Lebens Die wichtigsten Schlagzeilen.
00:11:28: Heute geht's um Dosentomaten Genauer gesagt um San Marzano Tomaten Noch genauer Um den Vorwurf des Tomatenbetrugs in den USA.
00:11:39: Und ich verspreche, das wird ein echtes Drama.
00:11:42: Denn wir reden hier nicht einfach über irgendeine Dose geschilter Tomaten aus dem Supermarktregal.
00:11:49: Wir reden über die Aristokratie unter den Dosentomaten Über San Marzano-Tomaten Jene länglichen leicht süßlichen Früchte aus Kampagnen Südlich von Neapel Die in der internationalen Foodwelt ungefähr denselben Status genießen wie Parmigiano Reggiano oder echter Champagner.
00:12:10: Und genau deshalb wird jetzt vor einem Gericht in Kalifornien gestritten.
00:12:15: Worum geht's?
00:12:16: Der US-Lebensmittelhersteller Chento Fine Foods wird in einer Klage beschuldigt, Verbraucher über die Echtheit seiner angeblichen San Marzano Tomaten zu täuschen.
00:12:26: Der Vorwurf lautet Tomato Fraud – Tomatenbetrug!
00:12:31: Die Kleger sagen, Chento vermarkte seine Dosentomaten so dass Kunden glauben sie bekämen echte offiziell zertifizierte San Marzano Tomaten mit dem strengen italienischen DOP-Siegel, obwohl das angeblich gar nicht zutreffe.
00:12:46: Und jetzt wird's italienisch kompliziert!
00:12:49: Was sind eigentlich echte San Marzanotomaten?
00:12:53: In Europa gibt es bei bestimmten Lebensmitteln geschützte Herkunftsbezeichnungen.
00:12:58: Das bekannteste Beispiel ist vermutlich Champagner.
00:13:01: Nicht jeder Schaumwein darf sich Champagner nennen nur solcher aus der Champagne in Frankreich.
00:13:07: Das selbe Prinzip gilt zum Beispiel bei Parmigiano-Reggiano, Prosciutto di Parma, Mozzarella di Bufallacampana und eben Pomodoro San Marzano della Grosarnese Noccerino d'op.
00:13:22: Ja das ist der vollständige Name!
00:13:25: Die echten San Marzano Tomaten dürfen nur aus einem klar definierten Gebiet rund um Neapel stammen und müssen nach bestimmten Regeln angebaut und verarbeitet werden.
00:13:36: Überwacht wird das Ganze vom offiziellen Consorcio, die Totela del Pomodoro San Marzzano DOP.
00:13:44: Warum sind diese Tomaten so begehrt?
00:13:48: Sie gelten in der Küche als Premium-Produkt vor allem für Pasta Soßen & Pizza.
00:13:53: Ihre Fans schwärmen von dickerem Fruchtfleisch weniger Kernen, geringer Säure, stärkere Süße, intensiverem Aroma.
00:14:02: Sie verkochen schöner und ergeben eine samtigere
00:14:05: Soße.".
00:14:07: Jetzt kommt der juristische Zündstoff.
00:14:11: Cento verwendet laut Bericht nicht mehr die offizielle DOP-Zertifizierung des italienischen Konsortiums sondern lässt seine Produkte von einer anderen Stelle zertifiziert.
00:14:22: Agri Cerd das Unternehmen sagt Wir haben uns schon vor zehn Jahren vom offiziellen Konsortium getrennt, wegen Streitigkeiten über Kennzeichnungsregeln.
00:14:31: Die Kleger behaupten allerdings etwas deutlich härteres – nicht Gento habe freiwillig aufgehört sondern sei wegen problematischer oder gefälschter Kennzeichnung ausgeschlossen worden.
00:14:41: und genau daraus entsteht nun der zentrale Vorwurf.
00:14:45: Die Aufmachung der Dosen inklusive des Wortes Certified vermittle Verbraucher in den Eindruck die Produkte hätten die offizielle DOP Anerkennung Obwohl das nicht der Fall sei.
00:14:57: Das ist im Lebensmittelrecht enorm relevant, weil Herkunft bei Premium-Produkten direkt mit Preis und Vertrauen zusammenhängt.
00:15:06: Cento weist die Vorwürfe komplett zurück – das Unternehmen erklärte «die Klage sei haltlos» und erinnerte daran, dass es bereits in den Jahren des Jahrhunderts eine ähnliche Lage gegeben habe und man diese erfolgreich abgewährt hat.
00:15:22: Das Thema ist größer!
00:15:24: Denn dieser Fall zeigt ein gigantisches Problem der globalen Lebensmittelindustrie.
00:15:29: Wie schützt man Herkunft in einer Welt voller Marketing?
00:15:34: Viele Verbraucher kaufen Produkte wegen bestimmter Begriffe – authentisch, traditionell, italienisch, DOP original!
00:15:42: Doch die Grenzen zwischen echter Herkünft, rechtlicher Zertifizierung und cleverem Verpackungsdesign werden oft ziemlich verschwommen….
00:15:51: Gerade in den USA gelten andere Regeln als in Europa.
00:15:54: Während die EU Herkunftsbezeichnungen sehr streng schützt, ist der amerikanische Markt traditionell lockerer – das führt regelmäßig zu Konflikten.
00:16:06: Parmesan ist dafür das Parade-Beispiel.
00:16:09: In Europa darf nur echter Parmigiano-Reggiano so heißen!
00:16:14: In den USA kann Parmesan oft einfach ein generischer Hartkäse sein.
00:16:20: und nun also Tomatenkrieg.
00:16:23: Was zunächst wie eine absurde Posse klingt, ist in Wahrheit ein ziemlich spannender Fall über Markenvertrauen, Lebensmittelherkunft, internationale Handelsregeln und die emotionale Macht italienischer Küche.
00:16:36: Denn wir wissen es bei italienischem Essen geht es nie nur ums Essen.
00:16:40: Es geht um Tradition und um Identität Und manchmal offenbar auch um Anwälte in Kalifornien.
00:16:53: Werbung Kommt doch mal mit zu Kiko.
00:16:59: Wir sind einmal pro Woche dort!
00:17:01: Kiko ist ein guter Freund von uns und betreibt gleich vier Restaurants in Grado – und besonders gern sind wir beim Portobuso am Hafen, denn Kiko hat eine wirklich spektakuläre Idee gehabt die perfekt funktioniert.
00:17:15: Das Portobusu ist nämlich ein japanisches Restaurant mit Sushi, Sashimi und weiteren Spezialitäten Und natürlich, wo immer es geht mit fangfrischem Fisch und Meeresfrüchten aus Grado.
00:17:29: Sushi-Ausgrado ist das nicht perfekt?
00:17:31: Und das mit Blick auf die Boote, die den Fisch anliefern!
00:17:35: Noch mal – viele Restaurants machen ja ab und zu mal Sushi Tage oder Wochen.
00:17:40: Aber das Portobuso ist komplett auf japanische Spezialitäten umgestellt, inklusive asiatischem Sushikoch im Open Kitchen.
00:17:49: Ihr könnt dem Mann beim Arbeiten zusehen.
00:17:51: Faszinierend… Was ich immer nehme, Scampi Tempura.
00:17:56: Die köstlichen Bakame und Edamame.
00:17:58: Warum kann nicht jedes Gemüse so gut schmecken?
00:18:01: Und danach eine Barca Piccola – ein kleines Sushi- und Sashimi Schiff!
00:18:06: Kiko ist zudem ein Weinliebhaber und hat eine exzellente Karte.
00:18:10: Nicht nur Friolana sondern auch viel aus Südtirol, aus der Toskana und aus Frankreich darunter viel Champagner.
00:18:19: Das Portobuso ist eines der wenigen Restaurants in Grado mit direktem Hafenblick.
00:18:24: Das ist wirklich sehr romantisch und sehr empfehlenswert, deswegen ist es auch eine wunderbare Apparativo-Station in der Sonne!
00:18:33: Als letztes Kiko spricht ausgezeichnet Deutsch – ihr seid bei ihm in guten Händen versprochen.
00:18:45: Ab in die Lagune von Grado.
00:18:48: Wundert euch bei eurer nächsten Bootstour nicht denn Forscher der Universität Udine setzen in der Lagune von Grado unter Wasserroboter und Drohnen ein, um den Meeresboden sowohl aus archäologischer als auch aus ökologischer Sicht zu erforschen.
00:19:04: Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen die Seegraßwiesen denn diese Pflanzen breiten sich in der Lagoone derzeit aus.
00:19:11: Das ist gut weil Seegras als natürlicher Filter wirkt und die Wasserqualität verbessert.
00:19:17: Die Forscher wollen die Lagune so eine Art Labor machen in dem Umweltveränderungen beobachtet werden können.
00:19:24: Ein autonomes U-Boot kann gleichzeitig Daten über die Wasserqualität sammeln, den Meeresboden fotografieren und dreidimensionale Bilder erstellen.
00:19:33: Ein Schwerpunkt liegt auf der Kartierung des Lagunenbodens – mithilfe von Sonare entstehen äußerst genaue dreiddimensionale Karten.
00:19:42: Dadurch können sowohl ökologische Veränderungen als auch mögliche archäologische Strukturen erkannt werden.
00:19:50: Seegraß wiesen schön und gut, aber ich hoffe doch mehr auf die Archäologie.
00:19:55: Vielleicht wird noch eine Galerie gefunden oder sonstige römische Überreste von mir aus auch Atlantis!
00:20:02: Der Wasserstand in der Lagune war früher mal deutlich niedriger – in den letzten zweitausend Jahren ist viel Land überspült worden.
00:20:09: Wer weiß?
00:20:10: Auf was wir uns da noch freuen können….
00:20:12: Ich wollte ja immer Archäologe werden so Indiana Jones-mäßig.
00:20:16: Leider habe ich zu spät gemerkt dass man dafür auf jeden Fall Latein und möglichst auch noch altgriechisch in der Schule gehabt haben muss.
00:20:25: Ich hatte stattdessen Französisch- und Japanisch!
00:20:29: Inzwischen sehe ich ja jeden Tag im Aquileia, wie echte Archäologiearbeit aussieht – die sitzen alle in der prallen Sonne und schruben alte Steine mit Zahnbürsten ab… dennoch irgendwie genial.
00:20:42: Egal … Der Zug ist abgefahren.
00:20:45: In jedem Fall glaube ich, dass da einige Aktivurlauber vor Schreck vom Subklumpsen werden.
00:20:52: Apropos entdeckte Galere.
00:20:55: Ich hatte es ja schon bei der Eröffnung des Meeresmuseums in Grado – das ist dort wo die Galere ausgestellt ist – im Dezember auf meinem Blog geschrieben.
00:21:04: Nun wundern sich die ersten Urlauber und ich habe schon einige Mails bekommen.
00:21:10: Es ist nämlich befremdlich, dass die Beschriftungen nicht auch auf Deutsch sind.
00:21:15: Immerhin sind siebzig Prozent der Besucherinnen und Besucher Deutschsprachige.
00:21:20: Und man hatte ja vierzig Jahre Zeit, denn so lange wir erinnern uns brauchte die Bürokratie bis zur Eröffnung.
00:21:28: auch der Audioguide bietet französisch und spanisch an aber kein deutsch.
00:21:34: Bizarren!
00:21:36: Das hat nichts mit territorialen Besitzansprüchen zu tun sondern wäre doch eine selbstverständliche Höflichkeit.
00:21:44: beim Münchner Oktoberfest werden In den Radiosendern ja auch die Verkehrsmeldungen auf Italienisch vorgetragen.
00:21:50: Und heutzutage ist die Übersetzung von Fachtexten eine Sache von ein paar Sekunden, jagt es durch die KI und setzt doch mal einen Erstsemester-Archaeologiestudent für eine heiße Nudel und ein Glas Weißwein zur Endkontrolle an.
00:22:06: Reisen wir nach Padua!
00:22:08: Es geht um Nudeln, schöner Übergang – und diese Geschichte beginnt nicht in einer Trattoria sondern im Staatsarchiv.
00:22:16: Zwischen vergilbten Seiten und jahrhunderte alten Handschriften stößt der Forscher Paolo Caratocidis auf ein Dokument aus dem Jahr four.
00:22:26: Und plötzlich bekommt eine der berühmtesten Nudelsorten Veneziens eine völlig neue Geschichte, denn die Entdeckung zeigt – Die mechanische Herstellung von Pasta gab es offenbar schon vor über vierhundert Jahren!
00:22:42: Es geht um Biguli Diese dicken, rustikalen Spaghetti aus Venezien die traditionell mit Entenragut serviert werden und in Padua fast so etwas wie kulinarisches Kulturerbe sind.
00:22:55: Bigoli stehen dort für Familienessen am Sonntag, Für Großmütter mit Pasta-Brettern in der Küche Und für eine Esskultur bei der Gemeinschaft mindestens so wichtig ist wie die Soße.
00:23:06: Jetzt zeigt sich hinter der romantischen Vorstellung handgemachter Pasta steckt auch eine erstaunlich frühe Geschichte technischer Innovation.
00:23:15: Denn das Dokument aus dem Jahr four belegt die Vergabe eines öffentlichen Privilegs, also eine Art frühen Patent an einen gewissen Bartolomio Veronese genannt Abondanza.
00:23:29: schöner Spitzname übrigens auf Deutsch etwa Überfluss.
00:23:32: wir müssen uns den Herrn sehr voluminös vorstellen seine Erfindung Eine mechanische Vorrichtung zur Herstellung von Bigoli und anderen Nudelsorten.
00:23:43: Der Mann entwickelte eine Pasta-Maschine zu einer Zeit, als Europa gerade erst begann, systematisch über technische Patente nachzudenken.
00:23:52: Während Galileo Galilei in Padua an Wissenschaft und Mathematik arbeitete, tüftelten andere offenbar bereits an effizienterer Lebensmittelproduktionen.
00:24:01: Forscher Karathusides beschreibt die Entdeckung als eine stille Revolution – keine Schlachten, keine Könige, keine politischen Intrigen sondern technischer Fortschritt mitten im Alltag.
00:24:14: Innovation in der Küche statt auf dem
00:24:17: Schlachtfeld.".
00:24:19: Und das macht die Geschichte so faszinierend, finde ich!
00:24:22: Diese alten Seiten erzählen nicht nur von Pasta sondern von Menschen, die versuchten Arbeit zu erleichtern, Produktionen zu verbessern und Wissen weiterzugeben – von Erfindern, Handwerkern und einer Gesellschaft, die technologisch offenbar viel weiter war als wir heute oft annehmen.
00:24:40: Padua ist also nicht nur Universitätsstadt, meine Tochter studiert ja dort.
00:24:45: Oder Heimat Galileis sondern auch als Zentrum für Lebensmitteltechnologie.
00:24:51: Eine Stadt in der Innovation nicht nur in Laboren stattfand, sondern direkt neben dampfenen Kochtöpfen.
00:25:00: und noch einmal zurück nach Venedig auf die Insel Santa Cristina mitten in der Lagune eine Insel mit Weinbergen Fischzucht Obstgärten eigener Kapelle und luxuriöser Villa.
00:25:13: Und das Ganze steht jetzt zum Verkauf!
00:25:16: Santa Cristina liegt im nördlichen Teil der benizianischen Lagune, abgeschieden zwischen den stilleren Inseln wie Torcello und Burano – genau das macht den Reiz aus.
00:25:27: Santa Cristiner bietet absolute Ruhe.
00:25:30: Man erreicht die Insel nur per Boot keine Straßen, keine Autos klar.
00:25:34: Nur Wasser Wind Flamingos.
00:25:37: Ja, tatsächlich in der nördlichen Lagune leben wie hier in Grado wieder zahlreiche Flamingoes.
00:25:44: Im Mittelalter gehörte Santa Cristina zu einem ganzen Inselnetz namens Amiana.
00:25:49: Damals war die Lagune viel dichter besiedelt als heute.
00:25:52: Es gab Klösterkirchen kleine Gemeinden.
00:25:55: Viele dieser Inseln sind im Laufe der Jahrhunderte verschwunden oder aufgegeben worden.
00:26:00: Santa Cristinha blieb.
00:26:03: Der Name geht vermutlich auf die heilige Cristina zurück.
00:26:06: Ihre Reliquien kamen einst aus Konstantinople nach Venedig und wie immer im Mittelalter bedeutete das, super.
00:26:14: Wir bauen eine Kirche!
00:26:16: Historisch war die Insel also religiös geprägt.
00:26:19: Dann kam die Svarovski-Familie.
00:26:23: Ninzehundertsechsundachtzig kaufte Gernot langes Svarofsky die Insekten.
00:26:27: Er war Ein Ohrenkel des Svarowski Gründers Daniel Svarowsky und gehörte zur berühmten österreichischen Unternehmerdynastie.
00:26:36: Aber Santa Cristina wurde nicht zur dekadenten Partyinsel.
00:26:40: Im Gegenteil, langes Zwarowski entwickelte dort über Jahrzehnte ein fast schon visionäres Projekt – eine Mischung aus Luxusrefugium, Naturreservat und nachhaltigem Landwirtschaftsbetrieb.
00:26:54: Die Insel funktioniert tatsächlich wie ein kleiner Autarker Mikrocosmos!
00:27:00: Dort gibt es Weinreben, Gemüsefelder, Olivenbäume Aprikosen und Pflaumenheine, Bienenstöcke, Fischzuchtanlagen.
00:27:09: Es wird Wein produziert, Honig hergestellt, Gemüse angebaut – fischgezüchtet!
00:27:14: Und das alles mitten in der Lagune von Venedig.
00:27:18: Man arbeitete sogar mit der Universität Kavoskari zusammen um nachhaltige Wasser- und Fischwirtschaft zu erforschen.
00:27:26: Natürlich gibt es auch eine Hauptvilla.
00:27:29: Und was für eine?
00:27:31: Vier Stockwerke, achthundertsechzig Quadratmeter Neun Schlafzimmer, neun Badezimmer.
00:27:37: Terracotta-Böden, große Salons, Terrassen mit Blick über die Lagune.
00:27:42: Zum Anwesen gehören außerdem Gästehäuser ein Pool eine Außenküche Ein Bootshaus mehrere Anlegestellen Eine kleine Kapelle Wirtschaftsgebäude.
00:27:52: Es ist weniger Ferienhaus sondern mehr ein kleiner unabhängiger Inselstaat.
00:27:58: Man könnte dort Retreats veranstalten Wein produzieren Künstler einladen eine Stiftung gründen.
00:28:04: Ich könnte dort einmal pro Woche Lesungen machen und danach werfen wir gemeinsam einen Fisch auf den Grill.
00:28:11: Jetzt zur entscheidenden Frage, dem Preis!
00:28:18: Ist das viel?
00:28:19: Natürlich – aber gleichzeitig für das internationale Luxusegment fast erstaunlich wenig.
00:28:27: Denn man kauft hier nicht einfach eine Villa.
00:28:28: Man kauft eine komplette Insel, fast dreißig Hektar Land, Geschichte, Privatsphäre Infrastruktur und einen der exklusivsten Orte Europas.
00:28:40: Eine Wohnung in London, New York oder Monaco kann heute ähnlich viel kosten nur ohne Weinreben und Flamingos.
00:28:49: aber es gibt einen Haken denn romantisch klingt das alles nur auf den ersten Blick selbst wenn ihr vierundzwanzig Millionen Euro habt.
00:28:56: eine Insel in der Lagune zu besitzen und dass sehe ich hier in Grado bedeutet extreme Wartungskosten.
00:29:03: Alles muss per Boot transportiert werden Jede Reparatur ist kompliziert, Salzwasser zerstört ständig die Infrastruktur.
00:29:10: Der Hochwasserschutz ist teuer, Naturschutzauflagen sind streng.
00:29:15: und dann ist da natürlich noch der Klimawandel.
00:29:18: Die Lagune von Venedig gehört zu den empfindlichsten Landschaften Europas.
00:29:22: Steigende Meeresspiegel bedrohen langfristig das gesamte Gebiet.
00:29:26: Wer Santa Cristina kauft, kauft also nicht nur Luxus sondern auch Verantwortung.
00:29:31: Jetzt wird spekuliert wer kauft eine Insel wie diese?
00:29:35: Ein Tech-Milliardär, ein Scheich.
00:29:38: Ein Wellnesskonzern.
00:29:39: George Clooney?
00:29:41: Alles möglich!
00:29:41: Die Verkäufer sagen offiziell man suche einen neuen Kastodien also jemanden der die Vision der Insel weiter führt.
00:29:50: das klingt natürlich sehr noble heißt aber im Grunde mit nur Menschen mit extrem viel Geld und halbwegs gutem Geschmack.
00:30:00: Also am geschmack scheitert es bei uns allen wohl am wenigsten.
00:30:04: Das Geld ist das Problem.
00:30:07: So, das war's für heute!
00:30:10: Was gibt es noch jetzt vom Schreibtisch?
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00:30:52: Jetzt erstmal einen Kaffee bei Pino.
00:30:56: Bis bald!
00:30:57: Und immer schön deutsche Wieter bleiben.
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