#16: Der verschwundene Schatz, das perfekte Verbrechen, Käse & Fisch, Held Klaus

Shownotes

In Aquileia sind seltene Goldmünzen aus der Römerzeit gefunden worden – ein erster Hinweis auf den sagenumwobenen Goldschatz, der irgendwo im Friaul vergraben ist?

»La Dolce Vita, interrupted«: Den US-Amerikanern gehen die Nudeln aus – Donald Trump hat Strafzölle auf italienische Pasta verhängt.

Das (fast) perfekte Verbrecher-Duo: Die Frau verführt den Hausherrn, der Mann räumt derweil in aller Ruhe die Wohnung aus.

Spürhund Klaus hat sich einen dicken Knochen verdient: Er findet einen verschwundenen Postboten in Sagrado, der seit 2019 vermisst wurde.

Bücher unterm Weihnachtsbaum: »Alle weg« – hochwertig, dennoch nicht zu teuer und passend für die kühle Jahreszeit, Molden, 22 Euro.

Gast beim Radio-Adria-Fragebogen: Andrea Nagele, Psychotherapeutin und Krimiautorin (neu 2025: »Grado im Glück«, neu 2026: »Grado im Traum«, jeweils im Emons Verlag, 14,40 Euro), Webseite: www.andreanagele.at, Instagram: @andrea.nagele

Fragen, Wünsche, Anregungen? Wen wollt ihr mal als Gast hören, welche Themen soll ich mir vornehmen, was würdet ihr wirklich gern wissen? Schreibt mir: radioadria@gmx.de

Mehr von mir: Instagram: @buch_und_wein
Blog: www.postausitalien.com

Der Podcast ist eine Produktion von www.studiovenezia.de

Transkript anzeigen

00:00:05: Buongiorno und herzlich willkommen bei Radio Adria, dem Podcast aus Italien.

00:00:10: Hier dreht sich alles um la Deutsche Vita, um das Lebensgefühl zwischen Espresso und Aperitivo, um die kleinen Geheimnisse und großen Geschichten dieses wunderbaren Landes.

00:00:21: Ich bin Stefan Maywald, Autor und Wahlitaliener aus Grado und ich nehme euch mit auf eine Reise voller Sonne, Genuss und Italianita.

00:00:31: Also zurücklehnen, entspannen und ein bisschen Italien ins Leben lassen.

00:00:37: Andiamo!

00:00:44: Buongiorno aus Grado, aus meinem Tonstudio, mit dem Kinderzimmer meiner Tochter, mit zwei Meter großen Teddybär.

00:00:54: Ich muss unbedingt mal ein Foto posten und werde das zum Erscheinen dieser Folge machen.

00:00:59: Was gibt es dieses Mal auf die Ohren?

00:01:02: Ich habe euch ganz viel mitgebracht.

00:01:05: Darunter einen verschwundenen Schatz.

00:01:09: Das perfekte Verbrechen, eine sehr gefräßige Krabbe und eine Antwort auf die Frage, ob wirklich Fingerdick Parmesan Käse über die Spaghetti Wongole gehört.

00:01:22: Ich wette auf die Frage, wisst ihr alle die Antwort.

00:01:26: Heute ist es richtig richtig kalt, aber irgendwie passend, denn die Orte an der Adria spücken sich schon weihnachtlich ein, an den Laternen sind die Sterne befestigt, alles glitzert golden.

00:01:38: Und das bringt uns schon nach Aquilea, das Pompeii des Nordens.

00:01:45: Denn Archäologen haben bei Grabungsarbeiten unter anderem neunzehn am Foren aus dem ersten Jahrhundert nach Christus gefunden, also aus der Blützeit Romes.

00:01:55: Der interessantere Fund waren aber drei Goldmünzen, die jeweils von den Kaisern Valens, Magnus Maximus und Arcadius geprägt wurden.

00:02:06: und somit auf das späte vierte Jahrhundert nach Christus datiert werden können, als das Reich schon mächtig schwankte.

00:02:14: Es handelt sich um drei sehr seltene Münzen, die vermutlich nicht im Umlauf, sondern möglicherweise kaiserliche Geschenke an Hofangehörige zur Feier besonderer Anlässe waren, was sie noch ein bisschen wertvoller macht.

00:02:29: Ihr Fundort deutet darauf hin, dass sie dort bewusst vergraben wurden, vielleicht weil die Besitzer fliehen mussten.

00:02:36: Dort soll im kommenden Jahr weiter gesucht werden.

00:02:40: Tatsächlich hatte ich einmal für ein Buchprojekt geplant, mich auf Schatzsuche in Aquileia zu begeben.

00:02:47: Denn offensichtlich ließen die wohlhabenden Aquileia auf der Flucht vor Attila zahlreiche Wertgegenstände zurück, angeblich in einem Brunnen, der dann zugeschüttet wurde.

00:02:58: Doch weil Attila länger als geplant blieb, ging das Wissen um die genaue Lage des Brunnen verloren.

00:03:04: und bis heute glauben viele Menschen fest an einen Schatz.

00:03:08: Doch bei meinen Recherchen fürs Buchprojekt entdeckte ich, dass ich erstens mitten im Ortsgebiet graben müsste und dass zweitens alle Felder logischerweise im Privatbesitz sind.

00:03:21: Und ich wollte ungern mit den Schäferhunden und den Schrottflinden der Landwirte argumentieren.

00:03:27: Praktischer Tipp für alle, die sich für Archäologie interessieren.

00:03:31: Die offiziellen Grabungen sind öffentlich zugänglich.

00:03:34: Mehrmals pro Woche gibt es Führungen durchs Gelände und zweimal im Jahr können interessierte Archäologen bei Open Days ausquetschen, vermutlich wie im Juni und Oktober.

00:03:48: Zurück zum Schatz.

00:03:50: Die wohlhabenden Einwohner Aquileias, immerhin war man ja Bischofsitz, waren bei der Flucht vor dem geheimnisvollen Volk aus der Steppe davon überzeugt.

00:03:59: nur kurzfristig ihre Heimat aufgeben zu müssen und sie versteckten ihre Goldschätze daher in dem besagten Brunnen, der anschließend zugeschüttet wurde, damit die Hunnen ihn nicht finden konnten.

00:04:12: Doch, wie gesagt, die Hunnen blieben länger als erwartet, das Wissen um den Standort des Brunnen ging verloren und der Goldschatz wartet bis heute auf seine Entdeckung.

00:04:23: Wer noch bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein in Aquileia ein Grundstück kaufte, musste einer Klausel im Kaufvertrag zustimmen, das eventuell zu entdeckende Schätze noch dem Alteigentümer zufließen würden.

00:04:36: Aber nicht nur die Flüchtenden ließen mutmaßlich einen Schatz zurück.

00:04:41: Auch Attila, der mehrere Monate mit seinem Herlager etwa in der Gegend des heutigen Permanova verbrachte, soll einen Schatz zurückgelassen haben.

00:04:51: Er hausste lieber in zugegen Zelten statt in den soliden römischen Willen, die er zuvor in Aquileia zerstört hatte.

00:04:58: Obwohl die über fließendes Wasser, funktionierende Aborte und beheizte Pools verfügten.

00:05:05: Aber jeder wie er mag.

00:05:08: Denn in Aquileia gab es ja reichlich zu plündern.

00:05:11: Die Bewohner konnten nur mitnehmen, was sie tragen konnten.

00:05:14: Und Attila seinerseits soll den Schatz ebenfalls irgendwo in der Region versteckt haben, um ihn später, wenn er das Gebiet vollständig unterworfen hatte, ganz in Ruhe zu genießen.

00:05:26: Wer konnte auch ahnen, dass er von einer seiner Ehefrauen vergiftet wurde?

00:05:31: Zu den möglichen Verstecken gehören die ehemaligen Reisfelder von San Giorgio am Taliamento, Marano, angeblich gibt es sogar eine Schatzkarte, oder die unterirdischen Gewölbe von Palmanor war.

00:05:45: Manche Gradeser behaupten gar, der Schatz würde sich auf der Laguneninsel Anvorra befinden, aber dort wäre er wohl längst gefunden worden.

00:05:54: Und wie soll der Schatz überhaupt dort hingekommen sein, wenn die Hunnen doch keine Seefahrer waren?

00:06:00: Aber Logik und gesunder Menschenverstand stehen guten Geschichten ja ohnehin nur im Weg.

00:06:08: Mein Kumpel Sebastiano aus Aquileia erzählt mir, Ja, es gibt noch Leute, die diesen Schatz suchen.

00:06:14: Ich habe es auch probiert.

00:06:17: Ich frage ihn.

00:06:18: Glaubst du wirklich an verborgenen Schätze?

00:06:22: Sebastiano lächelt und sagt folgenden schönen Satz.

00:06:26: Manchmal musst du an Dinge glauben.

00:06:29: Das macht das Leben interessant.

00:06:32: Ein Tipp gerade bei Regenwetter?

00:06:35: Das Archäologische Museum von Aquileia, das bis vor wenigen Jahren noch Gerümpel wie Rasierpinsel und Teppichklopfer aus dem achzehnten Jahrhundert ausstellte, kein Witz, zeigt nun nach dreijähriger Renovierungsarbeit die großartigen Schätze aus der Römerzeit.

00:06:51: Von Statuen über Waffen und Schmuck bis Goldmünzen.

00:06:55: Es gilt zurecht als bedeutendstes archäologisches Museum Norditaliens.

00:07:00: Und das will was heißen.

00:07:02: Kompliment.

00:07:03: Liebes Aquileia.

00:07:05: Ich kann den Besuch uneingeschränkt empfehlen.

00:07:10: Als ich das letzte Mal dort war, kamen mir auf der Treppe zwei kleine Jungen entgegen und sie unterhielten sich ganz aufgeregt, wie viel all diese ausgestellten Dinge wohl wertfähren.

00:07:21: Eine Million Euro bestimmt, sagte einer ganz atemlos.

00:07:26: Als Kind hat man einfach andere Perspektiven.

00:07:29: Als ich in dem Alter einmal einen Zehn Markschein auf der Straße fand, hielt ich mich für den reichsten Menschen der Welt.

00:07:37: Und diese Geschichte ist mir gerade wieder eingefallen aus aktuellem Anlass.

00:07:41: Ich war nämlich ziemlich allein in dem Museum und eine Aufseherin schlich mir hinterher.

00:07:47: Und sie bemühte sich dabei, ganz unauffällig zu tun, hatte die Hände hinterm Rücken verstränkt und fiff beinahe ein Liedchen.

00:07:54: Als wäre sie ganz zufällig immer dort, wo ich auch hin wollte.

00:07:57: Und recht hat sie.

00:07:58: ja Kunstdiebe sehen wahrscheinlich so harmlos aus wie ich.

00:08:02: Sie kommen nicht unrasiert im Trainingsanzug ohne Unterhemd da, wie Tony Soprano.

00:08:08: Und die Aufseherin tut gut daran, mich im Auge zu behalten, denn achtzig Prozent aller Kunstdiebstähle Europas finden in Italien statt.

00:08:19: Was daran liegt, dass es hier nun einmal die meisten Kunstwerke gibt.

00:08:22: Allein in Florenz soll es mehr katalogisierte Kunstwerke geben als in ganz Spanien.

00:08:29: Es liegt aber auch daran, dass sich so viele Kunstwerke im Kirchen befinden, die kaum geschützt sind.

00:08:35: Kommerubare in Chesa ist ein italienisches Sprichwort für eine Unternehmung, die einem Menschen besonders mühelos gelungen ist.

00:08:43: Ja, beinahe in den Schoß gelegt wurde.

00:08:46: Ich habe den ganzen Nachmittag überlegt, was heißt denn Kommerubare in Chesa so etwa auf Deutsch?

00:08:51: Also was ist die deutsche Entsprechung?

00:08:52: Ich bin nicht drauf gekommen.

00:08:54: Erst kurz vor der Sendung ist es mir eingefallen.

00:08:56: Ein Kinderspiel.

00:08:58: Also, wir Autoren stehen auch manchmal ratlos im Wörterwald.

00:09:03: Die Diebe werden immer dreister und scheren sich als Nichtchristen auch nicht um ihr Seelenheil, deswegen werden Kirchen immer häufiger beklaut.

00:09:11: Auch in Museen ist Diebstahl leicht, haben wir zuletzt im Louvre erlebt.

00:09:17: Und mal ehrlich, die Aufseeren, die mir auffällig, unauffällig folgt, wenn ich es wirklich drauf anlegen würde, was würde sie tun?

00:09:25: Mich mit ihrem Namensschild attackieren?

00:09:28: Kommen wir zu zwei Leserfragen.

00:09:32: Lieber Stefan, in deinem vorletzten Podcast hat Stefania Lettini von ihrer kulinarischen Sünde erzählt.

00:09:39: Parmesan und Fisch.

00:09:41: Ich habe dieselbe Sünde auch lange begangen, bis ich vor Jahren gehört habe, dass das eben falsch sei.

00:09:47: Bei Pastor Aljo Eulio sollte ebenfalls kein Parmesan auf das Gericht.

00:09:52: Vor ein paar Wochen habe ich wieder gehört, dass man Käse zum Fisch ruhig nehmen darf, solange es nur Pecorino Romano ist.

00:10:00: Vielleicht kannst du dieses Problem aufklären.

00:10:03: Also grundsätzlich.

00:10:05: Fisch und Käse passt nicht sonderlich gut zusammen, weil Fisch einfach zu delikat ist und der Käsegeschmack alles überlagert.

00:10:14: Deswegen kein Parmesan über die Spaghetti Vongole.

00:10:17: Manchmal kommt die Kombination aber doch vor, beispielsweise in Venedig.

00:10:23: Dort wird auf viele Käsechiketti, also Brothäppchen, beispielsweise mit Gorgonzola, eine Sadelle gelegt.

00:10:31: Die soll aber eher für die Salzigkeit sorgen.

00:10:34: Dass nun ausgerechnet Pecorino Romano zu Fisch passen würde, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.

00:10:41: Es stimmt, dass Pecorino und nicht Parmesan in viele traditionelle Pasta-Gerichte gehört.

00:10:47: etwa die Carbonara oder die Amatricana.

00:10:50: Aber zum Fisch.

00:10:52: Denn der Schafskäse ist ja noch mal kräftiger als viele andere Käsesorten.

00:10:57: Pecorino ist manchmal richtig, richtig stechend.

00:11:01: Ich kenne wirklich kein Fischgericht mit Schafskäse.

00:11:05: Lasse mich aber gern eines besseren Beleeren.

00:11:08: Also, wenn eine Hörerin oder ein Hörer was weiß, schreibt mir gern.

00:11:14: Eine weitere Leserfrage.

00:11:16: Ich höre immer gerne den Podcast.

00:11:17: Folgende Frage habe ich.

00:11:19: Was vermisst du an deutschen Gerichten?

00:11:21: Was lässt du dir aus Deutschland oder Österreich mitbringen, wenn Besuch kommt?

00:11:26: Schöne Frage.

00:11:27: Spontan fällt mir ein.

00:11:29: Es ist so schwierig, hier vernünftige Kartoffeln zu bekommen.

00:11:34: Scharfer Senf fehlt mir auch.

00:11:36: Und im Winter vermisse ich die Spekulatius.

00:11:39: Rotkohl vermisse ich auch, vor allem zur Weihnachtsgans, die es in Italien auch nicht gibt.

00:11:45: Was es hier auch nicht gibt, ist Fruchtsaft aus hundert Prozent Frucht.

00:11:49: In Italien geht es immer nur bis maximal siebzig Prozent.

00:11:53: Da ist Österreich ganz vorn dabei, da lade ich immer den Kofferraum voll.

00:11:57: Oder falle ich da auf einen Marketing-Trick rein?

00:12:01: Ich weiß es nicht.

00:12:03: Ansonsten aber fehlt mir nicht viel, denn Italien, wir wissen es alle, ist ein kulinarisches Paradies.

00:12:16: Bleiben wir beim Essen.

00:12:17: Eine Schlagzeile aus den USA.

00:12:19: Den Amerikanern gehen die Nudeln aus.

00:12:23: Denn Donald Trump hat dreizehn italienische Pastafirmen mit Strafzöllen von hundertsieben Prozent belegt.

00:12:31: Weil sie angeblich heimische Firmen mit ihren Preisen unterbieten.

00:12:36: La Dolce Vita Interrupted, schreibt eine Zeitung.

00:12:40: Italians Diplomaten protestieren und der Ausgang des Zollstreits ist wie immer bei Trump.

00:12:46: Ungewiss.

00:12:47: Sehr beliebt in den USA ist übrigens die Marke Lamollisana, die in Italien selbst zum Industrie im Norden gar nicht leicht zu finden ist.

00:12:56: Jetzt kommt das versprochene, perfekte Verbrechen.

00:13:00: Ein Neapolitaner, der in Gorizia wohnt, hat mit seiner Partnerin über drei Jahre lang um die dreißig Wohnungen ausgeräumt.

00:13:08: Die Vorgehensweise?

00:13:10: Die Dame verführte den Hausherrn, der allein daheim war.

00:13:15: Manchmal soll auch Geld geflossen sein und ihr Partner klaute derweil alles, was es zu klauen gab.

00:13:21: Uhren, Schmuck, Kreditkarten und einmal sogar dreiundzwanzigtausend Euro in Bar.

00:13:27: Und wer weiß, wie hoch die Dunkelziffer ist.

00:13:30: Interessant und typisch italienisch.

00:13:32: Mit den geklauten Kreditkarten und Bargeld kauften die beiden Sexdiebe große Mengen Rubbellose, um das Geld zu waschen und den Gewinn zu vervielfachen.

00:13:42: Warum ist das das perfekte Verbrechen?

00:13:45: Tja, wenn die Ehefrau zurückkommt und fragt, Schatz, wo sind meine Ohrringe?

00:13:49: Welcher Ehemann würde daraufhin antworten?

00:13:51: Ja, tut mir leid, ich war saudumm und untreu zugleich.

00:13:56: Aber es ist eben nur fast das perfekte Verbrechen, denn einer der betrogenen Herren, vermutlich Single, ging dann doch zur Polizei.

00:14:05: Der Dieb sitzt nun im Knast von Gorizia, seine Assistentin steht unter Hausarrest.

00:14:12: Bücher unter dem Sandenschirm.

00:14:16: Bevor wir zum nächsten Verbrechen kommen, will ich euch ein wenig Sonnenschein zur Winterzeit vermitteln und euch alle weg ans Herz legen, mein neues Buch über den Winter an der Adria.

00:14:27: Ich weiß, die meisten von euch haben es schon, aber es ist das perfekte Geschenk für die Verwandtschaft schön hochwertig aufgemacht, dabei trotzdem nicht so teuer.

00:14:37: Und ihr habt eine Sorge weniger zu Weihnachten.

00:14:42: Jetzt zum nächsten Verbrechen.

00:14:44: Der verschwundene, pensionierte Postbeamte in Sagrado ist wieder aufgetaucht, wenn auch, zerstückelt, in einem Abwasserschacht.

00:14:53: Er war seit dem Jahr zwei Tausend neunzehn spurlos verschwunden.

00:14:58: Sagrado, in der Nähe von Gorizia, ist ein Ort mit rund zweitausend Einwohnern und liegt etwa dreißig Kilometer von Grado entfernt.

00:15:06: Jahrelang galt das Verschwinden des Postbeamten als ungeklärter Vermisstenfall.

00:15:12: Die Wendung kam nun durch die Schwester des Vermissten.

00:15:15: Sie traute den Erklärungen der Lebensgefährtin des Mannes nicht, wonach ihr Bruder sich aus angst vor gefährlichen Personen verstecken musste.

00:15:25: Die monatliche Pension von stattlichen ´thausendfünfhundert Euro kassierte sie weiter und brachte sie angeblich ins Verstecken.

00:15:33: Die Schwester wollte ihren Bruder immer wieder besuchen, aber die Lebensgefährtin redete sich dauernd raus.

00:15:41: Die Karabinieri nahmen sich den Fall erneut vor, obwohl sie schon im Jahr zwei Tausend Neunzehn alles auf den Kopf gestellt hatten.

00:15:47: Aber dieses Mal war der gute Klaus dabei.

00:15:51: Klaus ist ein belgischer Schäferhund und ein Leichenspürhund.

00:15:56: Und der Hund schlug im Garten des Hauses an.

00:16:00: Daraufhin wurden menschliche Überreste in einem Abwassergraben entdeckt, eingewickelt in Plastiksäcke und mit Abfall bedeckt.

00:16:08: Später... wurde die Stelle zementiert, offenbar um Spuren zu verwischen.

00:16:13: Nun wird ermittelt.

00:16:15: Klar, ob die Rente weiter ausgezahlt wird, geht aus den Medienberichten nicht hervor.

00:16:23: Und das passt doch perfekt zum Verbrechen.

00:16:26: Mein Gast beim Radio-Adria-Fragebogen ist Andrea Nagel.

00:16:32: Sie betreibt in Klagenfurt eine psychotherapeutische Praxis, ist spezialisiert auf posttraumatische Belastungsstörungen und arbeitet mit Verbrechensopfern und mit Tätern.

00:16:44: Sie pendelt zwischen Klagenfurt, Berlin und Grado.

00:16:47: Und vor allem schreibt sie Krimis.

00:16:50: In diesem Jahr erschien Grado im Glück.

00:16:53: Er führt Sinterkrimi und der Zehnte in der Reihe um Kommissarier Madalena de Grassi.

00:16:59: Im März kommt dann das elfte Buch der Reihe namens Grado im Traum.

00:17:04: Hier kommt das Erstaunliche.

00:17:06: Ich habe noch nie ein Buch von ihr gelesen.

00:17:09: Das klingt komisch, ist aber eher ein Lob, denn ich lese nichts von Autorinnen und Autoren, die über ähnliche Themen oder Orte schreiben wie ich.

00:17:19: Ich habe zum Beispiel auch noch nie eine Zeile von Jan Weilers Maria im Schmecks nicht gelesen.

00:17:26: Denn ich will nie in den Verdacht geraten, irgendwas oder irgendeinen Eindruck zu kopieren und sei es nur unbewusst.

00:17:34: Aber ich weiß, dass Andrea ganz viele Fans hat und in dem Fragebogen geht es ja auch nicht um Bücher, sondern ums Adria-Gefühl.

00:17:43: Also, liebe Andrea, los geht's!

00:17:46: Deine Lieblingspasta!

00:17:48: Oh, das ist wirklich sehr schwer zu beantworten, denn ich bin ein echter Buster Fridge.

00:17:52: Derzeit liebe ich jedoch ganz besonders die Zitronenlinguine mit Garnelen.

00:17:57: Die haben mein Mann und ich vor etwa einem Jahr, glaube ich, in Venedig auf einer Piazza in der Nähe des Campus Santo Stefano zum ersten Mal gegessen und seither sehr oft gekocht.

00:18:07: Ob sie nicht ich, das war eine kleine Schwindelei, sondern mein Mann steht am Herd, der ist nämlich unser Koch.

00:18:14: Falls jemand wissen möchte, wie es funktioniert, übrigens geht es ziemlich easy.

00:18:17: Nudeln, Alldente kochen, Garnelen, Knoblauch, Butter, Schlager, was natürlich viel Zitronensaft dazu.

00:18:23: Das ist das Um- und Auf dieser küstlichen Bastern.

00:18:26: Das schmeckt sogar ich und das schmeckt hervorragend.

00:18:29: Deine italienische Lieblingsstadt.

00:18:32: Ja, das Schwankherch zwischen Minedik, Florenz, Turin, Rom, Palermo und anderen tollen italienischen Städten.

00:18:38: Wir waren diesmal allerdings im September in Apulien und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

00:18:44: Wir wurden regelrecht überflutet.

00:18:47: von grün-blau-braunen Farben des Kagen und des Fruchtbarn Landes.

00:18:51: Bemerkenswert fand ich allerdings Oria, das hat mich echt erreicht.

00:18:56: Oria ist ein kleines Städtchen, das sich jenseits der Touristenmenge im Landesinneren befindet.

00:19:00: Dort spielt sich das Leben fast verkehrt herum ab.

00:19:03: Es wird kreuz und quergeparkt und charmante Gässchen schlängeln sich um den bezaubernden Platz im Zentrum.

00:19:09: Trinkst du dort in ein Espresso?

00:19:11: Füllte sich an, es hätte sich die Zeit verlangsamt und verrinnt dir zwischen den Fingern.

00:19:16: Dein italienischer Lieblingsurlaubsort.

00:19:19: Er war jetzt bisher nicht, weil ich ihn nicht kannte.

00:19:22: Aber er wird es künftig sein.

00:19:24: Ich rede hier von Gallipoli, einem wunderbaren Örtchen am Golf von Tarent in der Provinz-Letsche am jonischen Meer Napoleon.

00:19:32: Die Traum auf der Altstadt liegt auf einer Felsninsel.

00:19:35: Der griechische Name bedeutet übrigens bezeichnenderweise übersetzt schöne Stadt.

00:19:39: Und das macht großen Spaß durch die verwinkelten Gässchen zu streifen, wenn man nicht gerade baden möchte oder einen überwältigenden Sonnenuntergang zu genießen.

00:19:47: Es ist absolut genau der Platz.

00:19:50: an dem sich Romantik und Kulinarik mit der Historie verbindet.

00:19:54: Ich höre mich selbst gerade schwärmen.

00:19:55: Ja, ich war völlig hin und weg.

00:19:58: Also habe ich hier im Centro Storico die besten Piaudine, also diese knusprigen, dünnen gefüllten Fladenbote gegessen.

00:20:05: Die erinnern ein wenig an unsere österreichische Palachinken.

00:20:08: Ich kann gerade leider nicht als meinen Lieblingsurlaubsort nennen, da ich hier einen Wohnsitz habe.

00:20:14: Warum?

00:20:14: Weil diese Insel sehr liebe und sie Teil meines Lebens geworden ist.

00:20:18: Gibt es ein italienisches Gericht, das du nicht so gern magst?

00:20:22: Also da muss ich wirklich nicht lange nachdenken.

00:20:25: Der Magen von Kühen, also Wiederkeuern, der zu Kuttelgerichten verarbeitet wird, behakt mich ehrlich gesagt nicht.

00:20:33: Auch wenn er für viele Fans spitze eine Delikatesse ist.

00:20:36: Für mich halt eben nicht.

00:20:37: Denn obwohl ich die unterschiedlichen Speisen als Tatuzkana sehr, sehr gerne mag, treibe mich die Tripper alla Fiorentina in eine wahrhaft kulinarische Hölle.

00:20:46: aus der es keinen Entkommen gibt.

00:20:48: Vielleicht liegt es daran, dass ich in meinem frühen Zwanziger auf einer Rucksackreise durch den Iran hinter einem Lastwagen auf der ersten Ladefläche ungeschützt die Kutteln über den Rand schwappen hervor.

00:20:59: Das ist keine nette Erinnerung.

00:21:01: Diese Bilder vermeide ich gern.

00:21:03: Deine erste Erinnerung an Italien.

00:21:06: Nun, das ist eine sehr lustige kleine Geschichte.

00:21:09: Ich war gerade mal zwei Jahre alt.

00:21:12: Angeblich kann man sich an dieses Lebensalter ja nicht erinnern.

00:21:15: Außer man wurde damals schwer traumatisiert.

00:21:18: Jedenfalls wurden damals meine Eltern und ich gemeinsam mit meinem Onkel Erwin nach Kaualle in die einzige Stadt an der oberen Adria, die auch über eine Mini-Centro-Storiker verfügt.

00:21:28: Damals wusste ich das klarerweise nicht.

00:21:30: Dort angekommen sprang der Onkel mit mir geradewegs aus dem Fenster des Hotels, aus dem zweiten Stock, direkt in das herrlich bläue Wasser des Swimmingpulses hinein.

00:21:39: Das war extrem lustig.

00:21:40: Und hat mir großen Spaß bereitet.

00:21:43: Als ich jedoch viele Jahre später einmal meinen Eltern sehr begeistert davon erzählte, waren beide verblüfft und meinten, ich hätte mir das alles bloß eingebildet.

00:21:52: Meine Fantasie war angeblich immer schon mehr als nur Regel.

00:21:55: Nun, vielleicht hat meine Eltern damit doch recht.

00:21:58: Vielleicht aber hat mich der Sprung in die Tiefe jedoch so schwer traumatisiert, dass ich mich daran erinnern konnte, wer weiß es.

00:22:05: Wenn du zu Hause bist, was gehört für dich zu einem italienischen Abend?

00:22:10: Das ist allerdings leicht zu sagen.

00:22:13: Zuerst einmal eine herrliche Sitzunge, kross gebraten mit Punterelle, also Platzichorien, oder besser noch gesagt, Vultanspargeln.

00:22:21: Ach, wie mir diese Bezeichnung durchgefällt, die lass ich mir doch glatt auf der Zunge zergehen.

00:22:26: Jedenfalls werden auch die Punterelle in der Pfanne gebraten.

00:22:29: Dazu gibt es einen Radikur, die Treviso Salat, einfach.

00:22:57: Was vermisst du daheim am meisten von Italien?

00:23:03: wirklich schönen Begegnungen mit Leuten, die ich bisher nicht kannte oder schon kannte, mitten auf den Plätzen in der Altstadt.

00:23:09: Man steht dort einfach so herum und trinkt den Gläschen, plaudert harmlos und beobachtet, ohne zu bewerten, das bunte Treiben.

00:23:18: Man amüsiert sich einfach zwanglos.

00:23:20: Und selbstverständlich vermisse ich das Meer mit all seinen unterschiedlichen Duftnoten.

00:23:24: Der frische klare Geruch des Salzwassers vermischt mit dem der Algen.

00:23:43: Was

00:23:52: machst du immer als erstes, wenn du zurück in Italien bist?

00:23:56: Also, da wir sehr viele Tage im Jahr in Grado leben und den Rest in Klagen führt, schleppen wir unsere Trolleys in den zweiten Stock, unseres Konominios, wohlgemerkt, ohne Lift hinauf.

00:24:06: Da wir davor schon bei einem Supermarkt mag jetzt echt keine Werbung machen, angehalten haben, gibt es einiges mehr als Klamotten zu transportieren.

00:24:13: Haben wir das erledigt, und so ein Auto steht zudem auf einem guten Parkplatz, was nicht so einfach ist, wie du weißt in Grado einen zu finden.

00:24:21: Sagen wir, uff!

00:24:22: Und grinsen uns ein bisschen, er schöpft an.

00:24:24: Einer öffnet eine Flasche, beispielsweise Ribola Gialla.

00:24:27: Der andere holt die Glaser.

00:24:29: Gemeinsam setzt wir uns auf den Balkon, schaut auf den Kanal und stoßt auf unser Grado an.

00:24:34: Das ist wirklich schön.

00:24:36: Bei welchem italienischen Song singst oder sumst du sofort mit?

00:24:41: Keine Frage, Pajananinis im Maske.

00:24:45: Sie hat den Song zwar schon ... ... aber das Thema ist weiterhin brandaktuell, meiner Meinung nach.

00:24:52: Mich begeistert ihre lyrisch-poetische Art, über die Unterschiedlichkeit und Vielfalt von Beziehungen zu singen.

00:24:58: Ihre Stimme ist so irreintensiv, wenn es ihre Emotionen zur Liebepreis gibt.

00:25:03: Von Romantik bis hin zur Leidenschaft, vom Glück bis hin zur Widersprüchlichkeit, zur Traurigkeit, findet sich alles in ihrem Lied.

00:25:11: Das höre ich mir gerne an.

00:25:12: Auch wenn ich wirklich nicht gut singen kann, wie mir alle bestätigen, trällere ich natürlich mit.

00:25:20: Auch bei dieser Frage wüsste ich wirklich nicht lange nachdenken, obwohl ich so viele italienische Lieblingsbücher habe, zum Beispiel die Einsamkeit der Primzahlen von Paolo Giardano.

00:25:29: Doch.

00:25:30: Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz, von Carlo Frutero und Franco Lugentini, begeistert mich seit Jahrzehnten.

00:25:37: Look, look, Mr.

00:25:38: Silvera.

00:25:39: Er rillgondola.

00:25:40: Ah, sagt Mr.

00:25:41: Silvera.

00:25:42: Yes, indeed.

00:25:43: Diese Passagen wiederholen sich in einem Roman und haben es so weitgebracht, dass ich oft zu meinem Mann, wenn ich etwas Interessantes sehe, sage, look, look.

00:25:50: Und er dann Augen zwingt, hat mit Mr.

00:25:52: Silveras Ah, antwortet.

00:25:54: Die Liebesgeschichte zwischen dem mysteriösen Reiseleiter und der schönen Prinze Besser.

00:25:59: fesselt mich immer wieder aufs Neue.

00:26:01: Ich bin schon mal mit dem Buch in Venedig auf der Suche nach den erwähnten Orten gegangen.

00:26:05: Ziemlich erfolgreich sogar.

00:26:07: Welche kulinarische Sünde hast du in Italien schon mal begangen?

00:26:11: Ich habe schon mal Cappuccino am Nachmittag getrunken und Pizza mit Ananas bestellt Hawaii und dem Bastergericht kleingeschnitten und mit dem Löffel gegessen, fürchterlich.

00:26:22: Als Wiedergutmachung bin ich danach jeweils in die Sonntagsmesse gegangen und habe den Fischerchor gelauscht, der so wunderschön das Lied Mardonina del Mare singt und so meine Abbitte für diesen Frevel gelästet.

00:26:34: Gibt es eine Begegnung oder eine Szene mit Italienern, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

00:26:39: Ja.

00:26:40: Andrea II.

00:26:42: Das ist ein wahrhaft unheimlicher Mann, der sich anfangs äußerst Hilfsberät gezeigt hat und danach mehr oder weniger kriminell.

00:26:50: Wir sind im Juni aus Venedig mit dem Zug zurückgekommen und unser Auto streigte mit den Giavignano.

00:26:55: Andrea II übrigens, weil ich doch Andrea I bin, half einen Abschleppdienst zu organisieren.

00:27:02: Das war sehr nett.

00:27:03: Aber danach versuchte er hinter unseren Rücken ohne unsere Einwilligung das Auto einem Schrotthändler zu verkaufen.

00:27:09: Fast wäre es ihm gelungen.

00:27:11: Zum Glück kann man damit nicht durch.

00:27:14: Zum Glück.

00:27:14: Das war sehr knapp.

00:27:16: Italien kann auch chaotisch sein.

00:27:18: Welche verrückte, unglaubliche, haarsträubende Situation hast du schon erlebt?

00:27:23: Ich als Österreicherin wollte ein Kontokorrente bei Istranieri als ein Auslandskonto eröffnen.

00:27:29: Ich ging zur besagten Bank, bewaffnet mit Ausweis und der Kodice Fiskale.

00:27:34: Und was am Anfang harmlos war, entwickelte sich zu einer Warn- oder See durch den Weltraum.

00:27:39: Die Wartezeiten waren unglaublich, dann endlich ein Termin.

00:27:43: Danach gezielten neun und zwanzig Unterschriften und noch immer kein Konto.

00:27:48: Tage danach ein Anruf.

00:27:49: Das Konto ist eröffnet.

00:27:51: Nochmals unzählige Unterschriften.

00:27:53: Noch immer kein Konto.

00:27:55: Tage später der lösende Anruf.

00:27:57: Irregat ist da.

00:27:58: Endlich geschafft.

00:27:59: Das perfekte Getränk zum abendlichen Blick aufs Meer?

00:28:03: Also ich habe gleich zwei Varianten, die perfekt zu Sommerabend am Meer passen.

00:28:08: Hier mal die antialkoholische Chetrata.

00:28:11: Das ist eine Süße, der noch spritzige Zitrone, Limonade.

00:28:15: mit dem Geschmack von Sedanholz.

00:28:16: und nun die Alkoholische.

00:28:18: Ein Bergermordspritz, er schmeckt leicht bitter, ist aber gleichzeitig herrlich frisch.

00:28:23: Dein Geheimtipp an der Adria-Küste?

00:28:25: Natürlich gibt es so einiges an der Adria-Küste, Claro.

00:28:29: Aber ich liebe das Vilaccio Punters Doba, ein wirklich malerisches Örtchen, mitten in der Lagune, das sich am Ufer des Isonzos im Naturschutzgebiet von Fosselon befindet und früher mal den Fischerschutzboot.

00:28:41: In den Sechzigerjahren wurde es als unerklärlichen Gründen spontan verlassen.

00:28:46: Darüber wird immer noch spekuliert.

00:28:48: Es hat sich dort jedoch nicht wirklich viel verändert, die Zeit scheint stiegzustehen.

00:28:53: Nur mehr wenige Menschen leben weiterhin her.

00:28:55: Es gibt allerdings eine oder zwei Wohngemeinschaften von Patienten.

00:28:59: Sie sind Außenstellen einer psychiatrischen Klinik, die regelmäßig vom Fachkräften betreut werden.

00:29:03: Der kleine Flusshafen, an dem die Boote ankern, ist das wahre Zentrum.

00:29:08: Alles hier wirkt zu ruhig und gelassen, fernab jeglicher Hektik, angenehm.

00:29:12: Mit welcher Italienerin oder welchem Italiener, aus der Gegenwart oder Vergangenheit, würdest du gerne mal einen Kaffee trinken gehen.

00:29:21: Das Gesamtkunstwerk in Salot am Gardasee, also das Vittoriale von Gabriele d'Annunzio, habe ich schon einige Male besucht.

00:29:29: Es ist ein so spannender Ort der Erinnerung, ein wahres Monument der Vergangenheit und Geschichte Italiens und so Lebende gestaltet.

00:29:38: Danuncia hat den Flugzeug in den verwunschenen Garten gestellt.

00:29:42: Es gibt ein Amphitheater dort.

00:29:44: Der exzentrische Museumskomplex ist wirklich riesig und beherbergt einen privaten Kinosaal.

00:29:49: Die Wände sind voll mit Fotos an interessanten Zeitgenossen.

00:29:53: Zum Beispiel Isadora Duncan oder Ödung von Horwald.

00:29:56: Ja, mit Gabriele Danuncia würde ich gerne eine Macchettone finden.

00:30:00: Welcher Ort in Italien fehlt dir noch und steht ganz oben auf deiner Wunschliste?

00:30:05: Ich war noch nie in Sardinien.

00:30:08: Das klingt jetzt so, ich war noch niemals in euch hier abgestimmt übrigens und würde dort gerne mal mit einem Mietautor oder einer Vespa rumfahren und in die Landschaft und die Landschaft dort erkunden.

00:30:17: Es soll cool sein.

00:30:19: Dein Italien in drei Worten?

00:30:21: Lebendig, bunt, unvergleichlich.

00:30:24: Klasse, vielen Dank.

00:30:26: Alles zu Andrea Nagel's Büchern und wo ihr sie auf den sozialen Medien findet, schreibe ich in die Show-Notes.

00:30:33: Die Blaukrabe macht uns weiterhin Kummer.

00:30:39: Von einem Jahr zum nächsten fehlen in der Adria, vierzehntausend Kilogramm Goldbrassen.

00:30:46: Wo sind sie?

00:30:47: Il Piccolo, die Tageszeitung weiß es, ich zitiere, zerquetscht von den Scheren und zu Brei zermahlen durch den Heißfinger der blauen Schwimmkrabbe, die sich zum Staatsfeind Nummer eins der Fischer von Grado entwickelt hat.

00:31:01: Diese appellieren nun an die Region die explosionsartige Vermehrung des zehnfüßigen Krustentieres dringend zu untersuchen und Gegenmaßnahmen einzuleiten.

00:31:11: Anderenfalls Drohe der Zusammenbruch der lokalen Fischereiwirtschaft.

00:31:17: Die schwindenden Fangmengen schlagen sich direkt in der Kasse nieder.

00:31:21: In den letzten vier Monaten haben die Gradesa Fischer –fünfundsiebzigtausend Euro weniger verdient.

00:31:27: Das ist eine stolze Zahl.

00:31:30: Das berichtet deren Präsident Donato Antonio Santopolo.

00:31:34: Die Lage sei ein tatsächlicher Schaden durch die unkontrollierte Ausbreitung des Krustentiers.

00:31:40: Der Rückgang sei unübersehbar und müsse die Forschung zwingend dazu bringen, Wege zur Eindämmung zu finden.

00:31:47: Das Phänomen sei inzwischen im Bereich einer Naturkatastrophe anzusiedeln und als solche zu behandeln.

00:31:54: Betroffen sind nicht nur die Fischer, sondern auch die Gastwirte und auch die Gäste, denn... Wir Gäste wollen fangfrischen Fisch aus null Kilometern, doch der Nachschub beginnt zu schrumpfen.

00:32:06: Die Blaukrabe ist ein wirklich unerwünschter Gast hier.

00:32:10: Ursprünglich an der Atlantikküste, beheimatet, hat sie sich außerhalb ihres natürlichen Lebensraums im Mittelmeer angesiedelt.

00:32:18: Das Vieh ist extrem tolerant gegenüber Temperaturschwankungen und Unterschieden im Salzgehalt.

00:32:24: Santo Polo fasst es so zusammen.

00:32:27: Hohe Anpassungsfähigkeit, enorme Gefräßigkeit, extreme Fruchtbarkeit und ein ausgesprochen aggressives Verhalten, machen sie zu einer der invasivsten Arten unserer Meere.

00:32:38: Ihre Anwesenheit wurde zwar bereits vor Jahrzehnten vereinzelt registriert, meines Wissens, aus dem Jahrtausend, in Trieste zum ersten Mal, doch erst seit dem Sommer im Jahrtausend, ist sie wirklich zum Problem geworden.

00:32:52: Zunächst im Po-Delta.

00:32:54: dann im gesamten nördlichen Adria-Raum.

00:32:56: Die Krabbel ist tatsächlich ein Allesfresser und ein Vielfraß.

00:33:02: Eine ganz schlechte Kombi.

00:33:04: Muscheln, Fische, deren Eier und andere Krustentiere stehen auf dem Speiseplan.

00:33:09: Die Blaukrabbel knackt Muschelschalen, frisst sich durch die Bestände und beschädigt sogar Muschelbänke.

00:33:15: Dazu kommt, dass sie Netze zerreißt und so für zusätzliche Kosten sorgt.

00:33:20: Der Schaden übersteigt den möglichen Ertrag.

00:33:23: Bei Weitem.

00:33:25: Während die Art in den USA wegen ihres Fleisches geschätzt wird, wollen Italiener sie nicht essen, sagt Santo Polo.

00:33:32: Darüber habe ich glaube ich schon mal berichtet.

00:33:34: Sie schmeckt ziemlich süßlich und nicht besonders fischig.

00:33:37: Es ist nichts Tolles.

00:33:40: Damit, so Santo Polo, fehle auch eine wirtschaftliche Perspektive, welche die Verluste abfedern könnte.

00:33:48: Hinzu kommt, dass die Krabbe dank ihrer Anpassungsfähigkeit zunehmend einheimische Arten verdrängt.

00:33:55: In der Lagune von Marano und Grado kommt es inzwischen zu einer regelrechten Populations-Explosion mit täglichen Fängen von mehreren hundert Kilogramm.

00:34:05: Das Tier stellt alle vor ganz neue Herausforderungen.

00:34:10: Wir bleiben dran.

00:34:15: So, das war's für heute.

00:34:19: Was gibt es Neues vom Schreibtisch?

00:34:21: Jeden Freitag bekommt ihr von mir die mediterrane Wochenschau auf postausitalien.com mit Neuigkeiten aus Grado und der Adria.

00:34:30: Kostenlos und werbefrei natürlich.

00:34:33: Ihr könnt die mediterrane Wochenschau ganz einfach oben auf der Startseite bei postausitalien.com abonnieren.

00:34:40: Auf Instagram findet ihr mich unter Buch und Wein.

00:34:44: Dort gibt es immer wieder kleine Filme über mein Leben in Italien.

00:34:48: So bleibt ihr.

00:34:50: über alle meine Projekte auf dem Laufenden.

00:34:53: Abonniert auch diesen Podcast, wenn ihr es noch nicht getan habt und empfehlt ihn gern weiter.

00:34:59: Würde mich riesig freuen.

00:35:01: Jetzt erstmal einen Kaffee bei Pino.

00:35:05: Bis bald und immer schön Deutsche Wieter bleiben.

00:35:14: Das war Radio Adria.

00:35:16: der Italien-Podcast.

00:35:18: Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert den Podcast und lasst uns eine Bewertung da.

00:35:23: Das hilft uns, noch mehr Menschen zu begeistern.

00:35:26: Für mehr Italienitar folgt mir auf Instagram oder besucht meinen Blog postausitalien.com.

00:35:33: Grazie mille und bis zur nächsten Folge.

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